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Boston
Medical Library
Association,
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Einleitung
in die
Augenheilkunde.
Einreiner Abdruck
dreyer Abhandlungen aus der ophthalmologischen
Bibliothek
Dr. Karl Himly,
Königl. Grofsbrittannischem Hofrathe und ordentlichem
öffentlichen Lehrer der Medizin zu Göttingen,
Jena,
b e j Friedrich Frommann.
i. Ueber den Schaden, welchen Wis-
senschaft , Kunst und bürgerliches
Wohl durch die Vernachlässigung
des ophthalmologischen Studiums
leiden.
Jeder, welcher nur etwas von dem Rufe eines
Augenarztes besitzt, macht häufig die Erfah-
rung, dafs sehr gute Aerzte, — zumal solche,
die überhaupt nicht Chirurgie treiben , aber
selbst auch solche , die sich zugleich auf Chi-
rurgie legten und nur nicht für Augenkrankhei-
ten ein besonderes Interesse haben , • — sich
A 2
nicht blofs mit der Behandlung von Augen-
krankheiten fast gar nicht befassen, sondern
selbst auch keine Diagnose darin fällen wollen,
selbst für das Auge gar kein Auge zu haben
glauben und scheinen. Bey noch mehrern An-
dern findet man leider sehr starkes Wollen,
aber sehr schwache Kraft. Yor Boerhave und
Richter stand es — wir müssen es mit Dank
erkennen — hiemit freylich noch schlimmer,
aber gut steht es defshalb auch jetzt noch nicht
damit. Noch viel besser kann es und mufs es
werden! Die folgenden Zeilen mögen das Be-
dürfnifs darstellen.
Unter jenen Männern, die sich von dem
Studium der Augenkrankheiten zurückgezogen
haben, sind sehr viele von solchem Geiste, sol-
cher Beobachtungsgabe und solchen umfassenden
Kenntnissen, dais ihr Zurückziehen ein wahrer
Verlust für die Ophthalmiatrik ist. Sehr häufig
finden wir, dafs das Streben nach einer höhern
wissenschaftlichen Bildung vom genaueren chi-
rurgischen Studium abzieht. Jene Anlagen zu
einem trefflichen Arzte sind nämlich gröfsten»
theils ganz andre, als die zu einem trefflichen
Wundaizte ; jene sind mehr Geistesanlagen,
diese , neben einer gewissen Gemüthsanlage,
körperliche , und wahrlich nicht oft finden wir
diese Anlage gedoppelt in grofsem Maafse zu-
sammen. Noch verschiedener ist ferner die er-
forderte Cultur , dort gei3tig , "hier körperlich.
Wissenschaftliche Forschung zieht Jene an, Blut,
Messer, Zange, Brenneisen stofsen sie zurück,
und auf die mechanische Cultur wollen sie nicht
die nöthige Zeit verwenden. So viel auch jetzt
aufs Neue wieder für eine enge Verbindung
der Chirurgie mit der Medizin gesprochen , ge-
schrieben und gestritten wird , so werde ich
doch täglich mehr überzeugt, dafs die Trennung
der medizinischen und der chirurgischen Praxis
in der Organisation der meisten Menschen völlig
Grund findet, und dafs, wenn man gegen ihn
anstreiteh will, bey weitem in der Regel man
aus einem trefflichen Arzte nur einen pfuschen-
den Chirurgen, und aus einem trefflichen Chi-
rurgen nur einen pfuschenden Arzt herausschrau-
ben wird. Leider hat man aber . einen sehr
grofsen und wuchtigen Theil der Medizin ver-
stofsen, der Chirurgie zugeschoben, diese hat ihn
adoptirt, nach Mafsgabe ihrer Kräfte kümmerlich
genug aufgezogen , und nun glaubt der Arzt oft,
auch um ihn sich nicht kümmern zu dürfen,
leb meine den ganzen Theil , den man medizi-
nische Chirurgie zu nennen püegt, den ich
aber, weil sich doch Benennungen nicht so
gleichgültig für das Wesen «eigen, als Mancbe
glauben , aus den obigen Gründen seit mebrern
Jabren lieber chirurgische Medizin nannte.
Den Arzt lehrt man die Erkenntnifs und Be-
handlung der Lungenentzündung , Lungeneite«
rung , Lungenvereiterung; aber der Chirurg soll
lernen und lehren, was überhaupt Entzündung,
ILiteiung, Vereiterung etc. sey! etc. Darüber
blieb unsre Erkenntnifs dieser Processe so sehr
zurück, indem man stillschweigend annahm,
derjenige , welcher einen Abscefs am besten zu
öffnen versteht, müsse auch wohl am besten
wissen, wie die Natur ihn bildete!! Wie
viel weiter wären wir sicher in der Lehre aller
der Krankheitsformen , die mit auffallender
Aenderung in Form und Mischung verbunden
sind, hätte man sie nicht als örtliche, äufser-
liche Schäden so sehr den Chirurgen übergeben!
Am allerunglücklichsten erging es nun dem ed-
len Sinnesorgane , dem Au^e. Weil es mehr
nach au fsen liegt, als Lunge, Leber und
andre Eingeweide, so glaubten die Aerzte, die
Leiden dieses Organes gehörten nicht in den
Kreis der Kenntnisse, die man mit Recht von
ihnen fodern könnte, nicht in den Kreis der
Naturerscheinungen , die ein Object ihrer Nach-
forschungen seyn sollten.
Gab das nach - aufsen - Liegen des Organes
keine Befugnifs, es aus den Objecten der ärzt-
lichen Nosologie und Therapie auszustofsen,
fand denn etwa dieses Verfahren seine Befug-
nifs in dem von-aufsen-Entstehen seiner
Abnormitäten? Versteht man hierunter, dafs
die , seine Krankheiten producirenden , Schäd-
lichkeiten meistens von aufsen kommen , ja dafs
es solche sind, die es meistens geradezu treffen :
so wüfste ich nicht , was man Mehreres dem-
jenigen entgegnen könnte, dem es einfiele, etwa
auch die Lungenkrankheiten aus der medizini-
schen Nosologie und Therapie auszuschliefsen.
Unter tausend Krankheiten des Auges entsteht
vielleicht Eine durch mechanische Gewalt,
und viel geringer möchte wohl kaum das Ver-
hältnifs der mechanischen Lungenverletzungen
seyn , zumal wenn man die übermäfsigen Aus-
dehnungen dieses Organes durch fehlerhafte Ex-
•pirationsarten mit hineinrechnet, wie man doch
mufs. Sollte aber das unmittelbare Aufstofsen
chemischer Schädlichkeiten die Befugnifs zu
jener Verstofsung enthalten, alsdann möchten
nicht blofs die meisten Lungenkrankheiten, son-
dern auch eine Schaar von Krankheiten der
Haut, des Darmkanals etc. den Augenkrankhei-
ten in ihr ärztliches Exil nachwandern ! Aber
überhaupt würde derjenige gerade sehr geringe
Kenntnifs nicht blofs der Augenkrankheiten, son-
dern fast der Krankheit überhaupt verrathen,
welcher nur einmal vorbringen möchte, die mei-
sten Augenkrankheiten entständen durch topi-
sche Schädlichkeiten, als topische Uebel, und
nicht die meisten als Folge und in Begleitung
allgemeiner Krankheit. Man denke nur an die
so häufigen Augenentzündungen mit ihren Fol-
gen, die sogenannte Thränenfistel u. s. w.
In dem Letztern liegt auch zugleich der
Grund , wefshalb man kein milderes Urtheil über
denjenigen aussprechen könnte , der überlegt
glauben und äufsern wollte, die Behandlung der
Augenkrankheiten beruhe meistens auf örtli-
cher Behandlung mit ehemischen und
mechanischen Heilmitteln. In manchen
Fällen entscheiden freylich nur diese, aber, um
bey der oben angegebnen Parallele zu bleiben,
sollen wir denn die Lungenentzündung an den
Chirurg zur Behandlung überantworten , weil
es Empyeme gibt, welche nur Er erfoderlich
behandeln kann? Diese technische Fertigkeit
können wir nicht von dem Arzte als Arzte fo-
dern, aber wohl das richtige Erkennen des
Zustandes und das richtige Bestimmen der
Heilanzeige. So ist es auch beym Eiter-
äuge u. dgl. — Und wie gering ist die Zahl
der Fälle von* Augenübeln v welche mechanische
Kunst fodern , gegen die, wo sie entbehrt wer-
den kann. Freylich bedarf es öfter des Verord»
nens topischer chemischer Mittel , Augenwasser,
Augensalben u. s. w.; bedürfe es aber zur Ver-
ordnung solcher tbpischer Mittel gerade eines
Wundarztes, so möchte mancher Arzt, der fast
keinen seiner Kranken ungesalbt , unberieben
und ungebähet läfst, nur nicht ohne chirurgi-
schen Gehülfen seine praktischen Wege anfan-
gen. Oder meint er, eine Hautschmiere könne
er w r ohl über sich nehmen , aber das zarte Auge
geradezu zu belangen , hievon' müsse er sich
entfernt halten , so begreift man wieder nicht,
wie der Arzt zu dieser Selbsterniedrigung
kommt.
Erst wenn man ernstlich das Studium der
Ophthalmologie treibt, sieht man recht , wie
dieser Theil der Medizin auch bey den aner-
kannten Meistern dieses Faches hinter den übri-
gen Theilen der Medizin in allen Zeiten zurück-
gebliebene ist. Diefs ist ein leidiges Resultat
davon, dafs so viele treffliche Köpfe an ihr
wie an einer anerkannten Terra incognita vor-
übergingen oder gewussermafsen das Auge dem
Menschen erst exstirphten , ehe sie an das Stu-
10
dium seiner Krankheiten gingen. Diesen Scha-
den litt dadurch die Ophthalmologie, aber zu-
gleich litten auch jene Aerzte dadurch. Ab-
gesehen davon, dafs die Vernachlässigung der
Kenntnisse eines solchen Organes für sich und
in seinen Beziehungen auf das Ganze, so wie
in den Beziehungen des Ganzen auf dasselbe
eine nachlässige Entfernung von dem Streben
nach möglicher umfassender, wenn auch
nicht vollkommener, Kenntnifs des Organismus
ist: so kann ich dreist an Jeden, der da Oph»
thalmologie in solchem Sinne und Geiste treibt,
appelliren , dais er mit mir zeuge , wie vieles
für das Ganze er durch das Studium dieses
Theiles lernte. Nur Schade, dafs diesen Sporn
fast nur derjenige fühlt, der seiner am wenig-
sten noch bedarf; es ist der Genufs der Frucht
für den, der schon die unscheinbare Blüthe rich-
tig erkannt und gepflegt hat!
Beförderung der Wissenschaft, gar Beför»
derung der eigenen innern Ausbildung, über-
haupt sind diese leider der Menge unschein-
baren Blüthen! Früchte will der Praktiker.
Auch darauf will ich einen Blick werfen, was
jene Vernachlässigung für praktische Früchte
trug. Der denkende und geschickte Arzt, der
aber von Ophthalmiatrik sich entfernt hielt,
II
wird von einem bedauern swerthen Blinden, von
einem Menschen , dessen Augen auf dem Punkte
stehen, auf immer auszueitern oder von einem
ähnlichen Kranken consulirt im vollen und ge-
rechten Vertrauen auf seine übrige Geschick-
lichkeit; aber der gewissenhafte oder auch nur
politische Mann schiebt seinen Kranken fort,
in die Hände eines Augendoctors. So wie mei-
stens der Augendoctor das Auge aus der Tota-
lität des Organismus rifs, eben so ist nun mei-
stens der bedauernswerthe Kranke aus der To-
talität der Kunst hinausgestofsen, und sein Chi»
ron heilt das Auge nicht , weil er die ganz«
Constitution nicht zu heilen versteht, und ver-
dirbt die «ganze Constitution, weil er das Auge
heilen will. Man denke nur an den Unfug, der
mit Purganzen , künstlichen Geschwüren gegen
Augenentzündungen , mit Quecksilber und Bel-
ladonna gegen die Amaurose getrieben wird!
Diefsist der Jammer, den der bessere Augenarzt so
oft hinterdrein ansehen mufs, diels sind die prakti-
schen Früchte des ärztlichen Stolzes , oder der
ärztlichen Indolenz. Und solche Augendoctors
werden von jenen unvollkommnen Aerzten ge-
zogen. Können wir ihnen denn ihre Faulheit,
Rohheit, Frechheit verargen, wenn sie täglich
erfahren , dafs trotz diesen Eigenschaften die
trefflichsten Aerzte an sie appelliren , und nicht,
damit sie mit dem Messer nach Vorschrift agi-
ren , nein , damit sie eine Augenentziindung,
eine Blödsichtigkeit, eine Blindheit heilen sollen,
die nur von allgemeiner Krankheit Eine
Aeufserung und nur durch innere Arzneyen
und Regulirun g der ganzen Lehensordnung
heilbar ist ! Können wir es ihnen verargen,
wenn sie hiedurcli sich immer mehr darin be-
stärkt rinden, dafs doch die Augenmedizin eine
ganz eigene sey, die zu der andern niiht zuge-
hore, die man einzeln treiben könne, ohne all-
gemeine medizinische Kenntnisse? *)■ Wenn die
ersten Aerzte der Stadt und des Landes, die
ein Ischias, eine Melancholie, eine Manie sehr
put behandeln zu können glauben, sobald ein-
mal durch ungefähr dieselben ursachlichen Mo»-
mente nicht Hirn und Nervus ischiadicus son-
dern Retina und Nervus opticus vorzüglich afli*
zirtsind, ihre Schwäche eingestehen, und den-
*) Einmal ist mir ein Fall vorgekommen , der eine ehren-
volle Ausnahme macht. Herr Professor J # nämlich schrieb
mir : ,,ich bin gar kein Augenarzt, blofs den Staar gut zu ope-
riren hat mir Gott besondere Geschicklichkeit verliehen."
Solche bescheidene und sich bescheidende Sclbstkenntnifs
ist selten ; aber noch seltener hält sie sich fest
und schwindelt nicht, wenn' sie schmeichelnd versucht
wird»
1^
jenigen Staarstecher herbeyziehen , welchen sie
sich bemüht haben würden, aus dem Lande zu
jagen , sobald er es sich hatte einfallen lassen,
in die Behandlung der Manie und des Ischias
zu pfuschen; darf man sich dann wundern,
wenn diese Menschen gegen Ein Auge, wel-
ches sie durch Messer und Nadel heilten, hun-
dert Augen und Constitutionen durch Medizin
zerrütten? Das Publikum wird dadurch noch
mehr geblendet , zu Charjatanen und Quacksal-
bern wird sein Zutrauen wieder hiugeleitet, und
das Auge im Kopfe ist kaum würdiger behan-
delt, als das Hühnerauge am Fufse. Wie schöa
vollends Praktikus und Augenarzt oft coope-
riren, hievon stellte Schmidt Beyspiele auf
(Ophth. Bibl. B. 2. St. i. S. 147.) wie man sie
täglich sehen kann.
Freylich gibt es auch würdigere > umfas-
sendere Augenärzte, das heifst solche, die mit
guten Aerzten immer in Reihe und Glied treten
köniien, und' obendrein das Studium der
Augenkrankheiten nicht vernachlässigt, sondern
mit Ernst und Erfolg getrieben haben ; aber
noch immer sind sie viel zu selten, da es selbst
noch eine Menge selbst ganz grofser Städte gibt,
wo man sich vergebens nach ihnen umsieht.
Aufserdem zeigt sich leider oft noch hiebey
wieder der niedrige Eigennutz uusrer gemeinen
Praktiker sehr nachtheilig; sie sind nämlich ei-
fersüchtig auf den gebildeten Augenarzt. In
einer andern Sphäre wollen sie gern Kenntnisse
dulden , die ihnen fehlen ; ^o wie sie sich nicht
davor schämen , ein Handwerk nicht zu verste-
hen und den Bedürftigen zum Handwerker zu
weisen , so machten sie nun gern Ophthalmia»
trik zum Handwerke und ziehen willig den ge-
meinsten Augendoctor mit in Rath ; aber bey
einem Collegen solche Superiorität, wenn
auch nur vielleicht theilweise Superiorität, an-
zuerkennen , hiezu können sie sich nicht über-
winden , dieses leidet nicht ihr Dünkel und -—
die Furcht, sie mochten in ein ihnen lange zu«
gethanes , vielleicht angeerbtes Haus selbst ei-
nen Mann ziehen , den man auch für andre
Fälle, wo es einen andern Theil des Leibes,
als das Auge, gilt, leicht zu sehr schätzen ler-
nen könnte. Also diese wenigen Aerzte werden
nicht einmal dankbar benutzt; aber ich wieder-
hole es , sie sind wirklich noch selten , sie sind
so selten , dafs ich , durch vielfältige Erfahr
jungen die&er Art belehrt, nicht leicht einem
mir unbekannten Arzte in dieser Hinsicht noch
traue. Zu oft bin ich von Aerzten oder mit-
telst von ihnen aui Verlangen abgegebner Be-
15
richte aufgelodert, Rath und Hülfe gegen einen
grauen Staar ) zu geben , wo nichts als der
achwarze war, oder einen schwarzen Staar zu
heilen, wo nichts als ein fast völlig ausgebilde-
ter grauer war; *) ^u oft sähe ich mit Schrek-
*) Ein in der ersten Entstehung begriffner grauer
und schwarzer Staar sind wirklich nicht so leicht zu unter-
scheiden ; mir selbst sind Fälle vorgekommen , wo ich mein
entscheidendes Unheil darüber noch aufzuschieben sichrer
fand , und für lieblos würde ich eine schneidende Kritik
halten in solchen Fällen, wo ich wegen bedeutenden Zwi-
schenraumes von Zeit die dann viel deutlicher ausgewirkte
Form viel deutlicher erkennen konnte. Also ich urtheile
nicht zu streng , und dennoch mufs ich so mistrauisch seyn.
Nur ein Paar Beyspiele wül ich andeuten, damit man aus
dem grünen Holze schlieise, wa> vollends an dürrem passirt.
Als ich im EegriiFe war, von Jena abzugehen, wurde ich
von dem erblindeten Generalmajor v. W. consulirt, der sich
auf sein Gut bey N. zurückgezogen hatte; sein Arzt wollte
durchaus keinen grauen Staar erkennen , ich beltand auf der
eignen Besichtigung , der Hr. Patient folgte mir hieher und
reiste nach 14 Tagen mit bis zum Lesen und Schreiben her-
gestellten Gesicht wieder ab , -weil ich ihm die verdunkelten
Linsen sogleich recliniTte. — Als ich vor einigen Monaten
in einer bedeutenden preufsischen Stadt war, ersuchte mich
ein sehr geschickter dortigeT Arzt , einen Blinden in einem
ihm untergebenen Invalidenhause zu untersuchen. Nach
seiner Meinung hatte der Blinde einen gTauen Staar, er hatte
defshalb einen von einer Bildung* - Reise zurückkommenden
durchpas sirenden Regiments Chirurg hingeführt , damit die*
«er ihn operiren möchte, der gereiste Mann hatte es aber
für ein Glaukom erklärt, und so wurde der Kranke seinem
Schicksal überlassen; ich fand den vollkommensten Staar
auf beyden Augen , reclinirte ihn , da ieh die Instrumente
i6
' ken fast schon durchgefressene Geschwüre der
Hornhaut, von deren oberflächlichen Existenz
der Arzt noch nicht einmal etwas ahndete,
oder Eiter im Auge, wo er eine ganz gewöhn-
liche katarrhalische Augenentzündung vor sich
zu haben glaubte; unter so vielen ärztlichen
Berichten dieser Art , dre mir unter die Hände
gekommen sind, erinnere ich mich kaum zweyer,
wo der Arzt die Pupille nur auf etwas Ande-
res angesehen hatte, als ob sie sich bewegt,
wo ich überhaupt nur eine Spur von Kennthifs
d-er Entzündung der Iris gefunden habe u. dgl.
Beweise von Unwissenheit mehr.
Dieser Mangel macht nun selbst Hülfe von
•der Ferne her oft so schwierig, oft unmöglich,
wenn von übrigen» sehr geschickten Aerzten
durchaus gar kein brauchbarer Bericht über ei-
nen Augenzustand zu erhalten steht.
Ein grofser Theil solcher Anophthalmolo-
gen endlich hebt diese Schwierigkeiten sehr
leicht , er pfuscht am Auge h^rum so gut oder
schon in der Tasche hatte, sogleich in ein Paar Momenten,
und das Gesicht war sogleich so gut wiederhergestellt, dafs
der Operirte sich aus einem vorgehaltenen hannoverischen
Goldgulden nicht finden konnte, weil er diese Münze nicht
kannte , und sie doch von einem Ducaten und einer Pistole
unterschied. —
17
schlecht er es versteht. Katarrhalische Augeu-
entzündung , Metastase aufs Auge , Fell,
Fleck, Mouches volantes, Staar, diefs sind fast
die einzigen. Titel, unter welchen die Tragö-
die oder Como^die larmoyante aufgeführt wird;
Blutigel, Blasenpflaster, Quittenschle im , Aqua
Rosarum non salitarum, ein Paar Mohnköpfe
mit Milch, diefs sind die Marionetten. Geht
es schlimm, so tröstet man sich damit, dafs es
schon viele Blinde in der Welt gibt und weni-
ge Aerzte, welche beurtheilen können, was der
Arzt dabey verschuldet hat. —
Diefs sind die praktischen Früchte, die ich
anzudeuten hatte! Dafs ich davon reden kann,
hiezu hoffe ich nicht erst ein Creditiv überge-
ben zu dürfen; ich bin nicht blofs Augenarzt,
am wenigsten blofs Staarstecher, ieh bin aber
auch Augenarzt, auch Staarstecher, und bin
"dieses in einem nicht kleinen Wirkungskiei-
se *).
*) Jetzt (im Februar) werden es bald 3 Jahre , dal» ich
mich hier in Göttingen aufhalte , und bald ist es ein halbes
Hundert Staaroperationen , die ich seitdem verrichtete, und
»war einen greifen Theil derselben hier in der unter meiner
Ilirection stehenden öffentlichen medizinisch - chirurpi sehen
Klinik im akademischen Hospitale. Von dieser Anzahl habe
ich Allen das Gesicht mehr odeT weniger vollkommen wftv
B
18
Eben so gab mir die Führung öffentlicher
klinischer Anstalten an dreyen Orten (zu Braun-
schweig, Jena und hier) Gelegenheit, das Ver-
fahren sehr vieler Aerzte in verschiedenen Um-
kreisen zu sehen, so wie von noch mehr ent-
fernten Reisen und Consultationen.
Auch erkenne ich mit Dankbarkeit, dafs
ich mich in einer Lage befinde, die mich vor
derhergestellt , Einen ausgenommen, Herrn K. in Cassel,
bey dem die Operation nur als letzter unschädlicher Versuch
gemacht wurde, indem auf dem Einen Auge vollkommne
Amaurose ohne Katarakt , auf dem Andern eine dicke Kata-
rakt mit völliger Blindheit und, wie die Operation zeigse,
aucli Amaurose dahinter war. Dafs hinterher neue Blindheit
entstand, habe ich iiut in Einen Falle erfahren, bey
Madame K. aus Mü?iden , welche alt , gichtisch , öftem-
Anfällen vom Steckilufs unterworfen, mit so gutem Gesichte,
, dafs sie lesen konnte, von hier wieder abreiste, aber an
ihrem Wohnorte nach 8 "Wochen durch eine neue Entzün-
dung eine Pupillensperre bekommen hat. Nur sehr wenige
haben während der Kur ATzney bekommen , Niemanden ist;
Biut gelassen , Einem mir sind Blutigel gesetzt. Sorgsam
gewählt habe ich die Kranken so wenig» dafs ich Keinen,
der sich meldete , so viel ich mich erinnere , unoperirt weg<*
geschickt und mehrere sehr gichtische Menschen mir selbst
gleichsam zur Aufgabe gemacht und optrirr habe. Eben so
war die Form des Staars nicht immer eine leichte Operation
begünstigend, es waren darunter Kapselstaare, angewachsene
und angeborne, mit grofser Unruhe der Augen. Welcher
Methode ich diesen Erfolg, den ich wohl ungewöhnlich
glücklich nennen kann, verdanke, hierüber werde ich im
nächsten Stücke der ophth. Bibliothek mich erklären.
19
der Vermuthung schützen kann, als schrie ich
vielleicht Feuer , damit man mich zum Löschen
riefe. Schreib ich warm darüber , so mufs ich
gestehen, dafs ich mich schämen wiijde, bey
so häufigem Anblicke eines abänderlichen gro-
ssen Elendes kalt bleiben zu können.
Eben defshalb will ich aber jetzt den Quel-
len dieses Elendes noch weiter nachgehen , um
zu finden , was dagegen gethan werden kann
und mufs.
Dafs so viel Aerzte Anophthalmologen sind,
scheint mir die Folge des dürftigen , fast konnte
man sagen schimpflichen Ursprunges der Oph-
thalmologie zu seyn , welcher Folge treffliche
Männer zwar durch Beyspiel entgegenwirkten,
aber nach meiner Meinung nicht genug durch
freyes und umständliches Aufdecken der ganzen
Lage der Sache. In ihrem ersten Ursprünge
war die Ophthalmiatrik fast nur ein gröbres
oder feineres Handwerk, worin gesalbt, ge-
schnitten und gestochen wurde. Diefs überlief»
man aus guten Gründen den Oculisten , als
speciellen Chirurgen. Nach und nach machten
sich Chirurgen im w r eitern Umfange auch daran,
begreiflich aber wiederum vorzüglich nur an den
manuellen Theil , wozu auch wohl die Hoffnung
auf die sonst oft so ungeheuren Bezahlungen
B 2
20
der Augenoperationen mit antreiben mochte.
Das ganze Fach blieb an die Chirurgie verwie-
sen , und dieses gab das dauernde fehlerhafte
Gepräge den Schriften und den Studien. Fast
in allen Schriften über diesen Gegenstand wird
man es erkennen an der Weitläuftigkeit, mit
welcher die Operationen, besonders die der Ka-
tarakte und der Thränenfistel, und gegentheils der
unverhältnifsmäfsigen Kürze, womit dte Augen-
entzündung, der schwarze Staar und andre
mehr medizinische Lehren abgehandelt sind.
Eben so erkennt man es an der Art, wie mei*
stens der Unterricht über Augenkrankheiten er-
theilt und gesucht wird ; Staarstecher und lau-
ter Staarstecher sollen und wollen gebildet wer-
den , und die ganze übrige Masse der Ophthal-
miatrik wird fast nur als Appendix betrachtet.
So weit bin ich entfernt, eine noch gröfsere
Anzahl von Staarstechern zu verlangen , dafs
ich dreist behaupte, es sind ihrer schon zu
viel jetzt, wenigstens in den meisten Gegen-
den Deutschlands. Wie viel Uebung fodert die-
se Operation, und wie kann sie Statt haben,
wenn fast so viel Staarstecher als Staarblinde
existiren ! Ich halte es nicht einmal für gut,
wenn ein jedes Städtchen einen Staarstecher hat,
und nothig ist dieses auch keines weges, da bey
21
dem Staar kein periculum in mora ist, und der
Kranke sich doch besser steht, wenn er ein
Paar Meilen reist, um sehend zu werden, als
wenn er im Orte sein Auge durch den erstfen
und vielleicht einzigen Versuch seines heimi-
schen Arztes zerstören läfst. Nicht mehrere
Augen op era töre, sondern mehrere, weit
mehrere Augenärzte sind nöthig. Ein weit
gröfserer Theil der Ophthalmiatrik mufs als ein
integrirender Theil aus der Chirurgie in die
Medizin herübergezogen werden , und so unbil-
lig es seyn würde, von jedem Arzte zu verlan-
gen, dafs er ein Augen op era tör seyn solle,
eben so billig kann von ihm (sobald er nur
nicht selbst permanenter Augenkranker ist) ge-
fodert werden, dafs er ein Augenarzt seyn
soll. *)
Was nach meiner Ueberzeugung eine gut«
Staatsarzneykunde fodert, ist folgendes;
*) Ein sehr verdienstvoller Arzt und Schriftsteller erklärt
in seiner Anweisung zum Hrankencxamen die Un-
tersuchung der Augen für einen kurzsichtigen Arzt für
schwer; dieses fand ich weder bey mir noch bey andern ,
da gegentheils die Kurzsichtigen in der Nähe bekanntlich be-
sonders genau zu sehen pflegen. Grofse Weitsichtigkeit ist
mehr hinderlich ; indefs hilft die Brille dagegen , und öfter
habe ich bemerkt, dafs es nicht am Auge lag , sondern daran»
dafs der Arzt nicht recht wufste , wonach er zu sehen und
wie er dieses überhaupt zu bewerkstelligen habe.
22
Erstlich ein 4. u g enarzt m ufs jeder Arzi
seyn, der nicht selbst augenkrank ist. Es sey
ihm in Zukunft eben so wenig erlaubt, eiii
Ignorant fn den Krankheiten der Augen, als bi$
jetzt in den Krankheiten der Haut oder der
Lungen, zu seyn. Dieses Gesetz gebe man jetzt
denen Behörden , welchen die Prüfung det
Aerzte anvertraut ist, damit es in Zukunft beÄ-
ser werde. Zweytens, diejenigen Staaten*
welche selbst medizinische Anstalten haben,
müssen auch dafür sorgen, dafs in ihnen Au-
genärzte gebildet werden können. Da hiezu
Uebung im Sehen so besonders nothwendig iftj
kann dieses neben gutem theoretischen Unter«
richte nur durch eine nicht zu beschränkte
Klinik geschehen. Diese mufs aber nicht ei«
nem puren Chirurg untergeben seyn , und nicht
das Staarstechen mufs in ihr zur Hauptsache
gemacht werden , sondern der medizinische
Theil. Ein guter Arzt, der sich auf Augenme-
dizin mit Erfolg gelegt hat, kann, wenn er
auch nie ein Messer anrührte, auf einem sol-
chen Posten ungemein viel nützen , für einen
kleinen Staat fast hinlänglich ; aber ein Chirurg^
der nur operiren kann , würde auf demselben
fast mehr schaden als nützen.
Drittens. So wie der Staat für einön
*
Stadt- und Land- Wundarzt , und für Hebam-
men und Hebärzte sorgt , so sorge er auch,
wenn er nicht ganz klein ist, für einen Augen-
operatör. Ein Privilegium exclusivum gebe er
ihm so wenig, wie jenen andern Medizinalper-
sonen; er gebe ihm aber durch die eigene An-
stel uvtg und sonstige Begünstigungen Vorschub,
dafs er besonders sich in Uebung setzen und
erhalten kann. Läfst es sich der Staat auch
etwas kosten , einem solchen Manne ein kleine«
Gehalt oder Diäten zu zahlen , so wird diese»
Geld selbst nach mercantilischer Beurtheilung
nicht schlecht angewandt seyn. Ich wollte
nämlich wohl die Wette eingehen , wo
nicht ein Augenarzt ist, in jedem nur nicht
ganz kleinen Invalidenhause oder in jld er sol-
chen Armenanstalt Ein oder ein Paar Individuen
aufzufinden , denen ich durch die Operation de«
Staars oder der künstlichen Pupillenbildung zu
ihrem Gesichte wieder verhelfen und die ich
somit der wohhhätigen Anstalt von der Kasse
schaffen könnte. Nun vollends die Menschen,
die jetzt unheilbar blind und verarmt sind, aber
durch zeitige Hülfe sehend und arbeitsfähig ge-
blieben wären! Dieser Augenoperatör rnufs
sich aber in seinem Sprengel genau umsehen*
besonders, wenn er sein Amt erst antritt, da
4 4
die Menschen j die schon mehrere Jahre blind
fiind, so leicht glauben, sie seyen unheilbar, und
aefshalb keine Hülfe mehr suchen ^ sondern sie
sich nur aufdringen lassen. Er mufs auch von
Zeit zu Zeit Visitationsreisen durch denselben,
machen. Auch wird es sehr geringe Kosten
machen, wenn an seinem Wohnorte, in Er-
manglung einer etwa schon vorhandenen Kran-
kenanstalt ein Kämmerlein ihm bestimmt wird,
wo er solche Arme operiren kann , die er ohn6
diefs riicht genug in der Nähe haben könnte;
Ich weifs wohl $ däfs manche Medizinalanstalt
an den Kosten scheiterte, und in diesen trauri-
gen Zeiten , wo fast jede Provinz Deutschland*
und der meisten andern europäischen Landet
ausgesogen ist, wird diefs noch öfter der Fall
seyn; sollten es auch selbst gerade über did
Gräuel der Zeit verweinte Augen und geprefs*
ten Herzen seyn j die um Hülfe jammern ; aber
Wahrlich , die Kosten einer ßolchen Anstalt;
wie ich hoffe, wünsche, verlange, können nur
so gering seyn, dafs man ihreritwegen nicht
einmal die Pflicht und das Herz in Anspruch
eu nehmen braucht. Was braucht z. B. ein ar-
mer Stääroperirter? Essen darf er nur wenig*
Licht bedarf er gär nicht, öffnete ihm nur det
Augenarzt den innern Quell für die Zukunft, im
25
Sommer bedarf es keiner Feurung, der Medizin
immer sehr selten !
Ich bin mir bewüfst, durch meine Vorle-
sungen übfer Augenkrankheiten und ihre Hei-
lung, und noch mehr durch meine Klinik iii
meinem nicht kleinen Wirkungskreise als aka-
demischer Lehrer, dem Uebel , was ich so deut-
lich erkannt, nicht ohne Erfolg entgegengear-
beitet zu haben. Famose Staarstecher habe ich
fcwar nicht gezogen, werde sie auch nicht zie-
hen , zum Theil schon defshalb , weil ich diö
Operation bey grofser Sicherheit so vereinfache^
dafs man im Guten sich kaum famos dadurch
wird mächen können, sondern fast nur durch
Stümperey in derselben. Dagegen halte ich
desto mehr auf ein genaues Augenexamen ; in
meiner Klinik wird die Kunst zu sehen so
ernstlich getrieben , dafs die Untersuchung man-
ches Auges manche Minuten dauert, und dabey
suche ich das Auge in seiner organischen Ver-
bindung zu erhalten , indem ich das Allgemeine
aufsuche, wie es sich in diesem Organe aus-
drückt, das Augenleiden mit den Leiden ande-
rer Theile parallelisire, oder den Wechsel zwi-
schen ihnen aufsuche. Um in dieser Art auf
einen noch weitern Kreis zu wirken, schien es
mir nützlich , in diesen Blättern etwas über
26
diese Kunst, zu sehen, zu sagen, und allge-
meine Regeln über das Formulare der medizi-
nischen Ophthalmiatrik mitzutheilen. Defshalb
gebe ich in den folgenden zvvey Aufsätzen eine
Skizze von dem , wie ich in meinen Vorlesun-
gen diese Gegenstände behandle. Der Kunst-
verständige wird und mufs darin sehr viel be-
kanntes finden , theils geht aber mein Zweck
dahin, demjenigen, der in diesem Fache zurück-
geblieben ist, Gelegenheit zu geben, diese
Lücken seiner Kenntnifs hinterdrein noch aus»
zufüllen , manchen vielleicht wohl gar in eine
Terra incognita freundlich und auf ebenem
Wege einzuführen, theils wird auch der Kunst-
verständige, wie ich hoffe, sowohl diese Auf-
sätze als die ersten Versuche einer Zusammen-
stellung dieser Regeln nicht ohne Interesse le-
sen , als auch wohl hie und da neue mir eigen-
thümliche Bemerkungen darin finden Eine all-
gemeine Anweisung zum Augenexamen kenne
ich nicht; nur sehr wenige Bruchstücke dessel-
ben finden sich in den Gotthard's VogeVs
und Andrer Anweisungen zum Krankenexamen
überhaupt, wo man aber das Leiden der Augen
fast gar nicht an sich betrachtet hat, sondern
blofs um auf allgemeine Zustände von demsel-
ben zu schlicken (de ocido ut signv). Manche
27
Fehler* die der Anfänger leicht dabey begeht,
hatte ich besonders in eher Klinik Gelegenheit
zu bemerken. — Ueber das Formulare der Aü»
genmittel im Allgemeinen liefert Tittrnanrt
(von den topischen Arzneymitteln gegen Augen*
krankheiten* Dresden 1804. S. IX — XVI vor-
läufige Bemerkungen) zwar Etwas, doch wird
man dieses bey einer Vergleichung sehr unvoll-
ständig finden. Wer aber einer solchen Krücke
bedarf, der wird nicht ohne Nutzen in Titt^
rhanns Buch selbst angegeben finden i in wel-
cher Art die Aerzte verschiedener Zeiten die
einzelnen Mittel gegen Augenkrankheiten an-
wandten ; nur wird er von Anfang an da sehr
prüfend verfahren müssen, wo Tittmann
nicht compilatorisch, sondern kritisch verfahren
ist. *)
\
*) Um nur ein Paar Beyspiele anzuführen: terra pon~
derosa salita soll in ihrer Wirkung dem Salmiak am näch-
sten kommen (S. 67.) » die aqua sapp7iiri na soll vorzüglich
durch den Salmiak wirken (S. 69.)» obgleich darin auf 5 Gran
Salmiak ein halber Gran Grünspan nach des Vf. eigner An-
gabe kommt ; das saccharum joviale steht unter den mecha-
nisch wirkenden Mitteln (S. 134.;. Die ganze Classification
der Mittel [ist auch sehr fehlerhaft, nämlich: ^erwei-
chende Mittel* 2) narkotische, 3; we r citri all a,
4) di scutie nti a , 5) irrit anti a , wo der Apfelbrey
gerade zwischen die Artikel Kampher und Kamphergeist gera-
then ist, 6) Adstringentia, (unter welcher Rubrik man
28
Wenn ich übrigens manchem Arzte i der
diese Blätter las , und den ich in andren Hin-
sichten vielleicht sehr verehren kann, unange-
nehme Gefühle erregte, so kann er von mir die
Üeberzeugung haben , dafs ich nicht übersehe,
was der Geist der Zeit that, dem wir alle mehr
oder weniger unterthan sind, ,so wie ich aber
auch die Pflicht nicht übersehe, auf den Geist
der Zeit gut zurück zu wirken, wie und wo
ich kann.
Allgemeine Regeln zur symptomati-
schen Untersuchung kranker Augen.
I. Da das Auge grofsentheils an der Ober-
fläche liegt und dasjenige , was seine tiefer lie*
auch flores sulphuris , aqua calci s , Spiritus salis , ulmus
campestris findet), 7) caustica t 8) mechanisch- -
wirkende Mittel und endlich ein Anhang , bestimmt
ein Paar Worte über Blutigel , Blasenpfiastcr, Elektrizität,
Galvauismus und 'Wasserstoffgas -aufzunehmen. — Dafs eine
>ue Auswahl geschehe, gab der Vf. selbst (Vorrede)
als ein Bcquisit an , aber es in ein Requisit geblieben,
genden Theile deckt, meistens durchsichtige
Häute und durchsichtige Flüssigkeiten sind , sq
geschieht der gröfste Theil der Untersuchung
desselben durch das Gesicht (pphthalmo scopia).-
II. Diese Untersuchung fodert also hinläng-
liches Licht.
a. Das gewöhnliche Licht eines nicht gar
trühen Tages ist in den meisten Fällen hinläng-
lich.
h. In denen Fallen, wo stärkere Beleuch-
tung nothig ist, z. B. um in der Tiefe des Au-
ges deutlicher zu sehen, oder den Bau der Re-
genbogenhaut , die Ausdehnung ihrer Blutgefa-
fse u. dgl. , da kann man diese schaffen durch
den Reflex von einem Spiegel , oder durch die
Concentration mittelst eines nicht ganz schwach
.convexen Glases , welches man in gehöriger
Entfernung dem Auge vorhält, auch wohl dem
Kranken als Brille auf die Nase setzt. Immer
fodert es aber Rücksicht, oh das Auge diesen
stärkern Lichtreiz ohne Schaden erträgt; bey
stark convexen Gläsern darf nicht gerade der
2. B. oleum lumbricorum , metalla ossium, axungia vipß'
rina, eujjhrusia sind abgehandelt , butyrum cacao » P 1 ^
satilla nigricans hingegen sind ausgelassen.
30
Focus auf die Netzhaut fallen , *) auch lasse
man sich nicht dadurch täuschen , dafs bey stär-
kerer Erleuchtung des Innern des Auges die
Schwärze desselben immer verliert und grau-
licht, rauchicht, grünlicht wird. *$)
c. Wo die Augen lichtscheu sind, darf
man sie selbst nur in ungewöhnlich mildem
Lichte untersuchen, wenn man sie hinlänglich
lange und in grofsem Umfange betrachten will,
da im stärkern Lichte der krampficht zusam-
mengezogene Schliefsmuskel der Augenlieder
Alles verdeckt, oft auch übermäfsige Thränen-
feuchtigkeit es zu sehr verhüllt. Ganz nutzlos
ist es, weite Öffnung der Augenlieder in solr
chen Fällen ohne Milderung des Lichtes er-
zwingen zu wollen.
III, Die Augenlieder sind ein häufiges
Hindernifs der ruhigen Betrachtung der Augen;
a. bey lichtscheuen Augen ; dann ist mil-
deres Licht zu geben, wie eben gesagt ist.
Wer es versucht, die Augenlieder- in solchem
•) Vergl. meinen Aufsatz über den Nutzen des Lichtes bey
,4ugenübeln in den ophthalmolog. JBeob. und Un-
tersuchungen., oder ophthalmolog. Bibl. St. i.
Heft. i. S. 42. u. d. f.
") S. daselbst. S. 44. und den Aufsatz über die Ursachen
der rauchichten Pupille. S. 96. u. d. f.
31
Zustande von einander zu reifsen , wird oft
veranlassen , dafs der alsdann nur noch kram^
pfichter zusammengezogne Schliefsmuskel und
wohl selbst der fremde Finger eine Trichiasis
macht , oder dafs bey Erschlaffung dieser
Theile, wie bey der Ophthalmia neonatorum,
sich das obere Augenlied umstülpt. *)
h. bey unfolgsamen Kindern. Auch hier
liilft Gewalt nicht und schadet nur; durch Neu-
gierde müssen die Augenlieder aufgelockt wer-
den , indem man die Kinder auf interessante
"Objecte aufmerksam macht, während man auf
« Augen gar keine Aufmerksamkeit zu rich-
ten scheint.
c. Seltener sind die Fälle , wo Unthätigkeit
des Aufhebers des obcrn Augenliedes (blepharo-
plegia) **) die Ursache der Verdeckung des Auges
ist , wo dann sanftes Aufheben des Augenliedes
thunlich und unschädlich ist. ***)
*) S. S chmidt s Abhandhing über die o-phthdlrrua
neonatorum kl der folgenden iNummer dieses Stücks.
**, S, Schmidt in d. op h thalm o lo g. Bibl. B. 3.
St. 3. S. 143. u. d. f.
***) Vogel giebt in seinem Krankenexamen
(Stendal 1796, -, 288. folgende Hegel: „Sind die Au-
genlieder verschlossen, so mufs man nie ver-
säumen, sie wo möglich, zumal in Augen-
krankheiten, bey jedem Besuch zu öffnen,
3*
IV. Ein anderes Hindernifs ist die Regen-*
bogen haut, die in hellem Lichte die innern
Theile des Auges gröf steil theils verdeckt. Will
man in hellem Lichte sehen , wie sich das
Auge im Schatten verhalten würde, in so fern
in ihm die Erweiterung der Pupille einen grö-
fsern Umfang der Linse mit ihrer Kapsel , des
Glaskörpers und der Netzhaut aufdeckt, so
kann man diese Erweiterung durch örtliche
Anwendung mancher narkotischen Mittel in je-
dem Lichte erzwingen. Das zweckmäßigste
Mittel hiezu ist eine Auflösung von Extr. hyo-
aeyami, wovon ein halber Skrupel in eifern
Loth Wasser hinzureichen pflegt. Die Wirkung
dauert meistens 5 bis 6 Stunden. Bey sehr em-
pfindlichen Augen reicht selbst manchmal das
Belegen der Na.chbar3chaft des Auges mit einem
gut bereiteten und aufbewahrten Empl. hyoscya-
mi hin. — Während der Wirkung solcher^
Mittel darf der Kranke sich keinem sehr hellen
Lichte aussetzen y damit die weit offenstehende
Mm die Augen zu untersuchen." So viel der Verf.
in diesem Buche Übrigens Beobachtungsgeist und Uelmng
im Beobachten zeitjt, so mufs der Augenarzt doch diese
allgemeine Ausdehnung dex Regel rügen , da es eine Menge
Fälle, besonders von AugeniibcLu gibt, wo jenes eine
schädliche Neugierde seyn winde.
33
Netzhaut nicht zu stark davon Destürmt wird.
Auch darf man dabey nicht vergessen, dafs die
geringere Schwarze des Pigmenti nigri im Bo-
den des Auges während der Wirkung solcher
Mittel nicht constantes Krankbeitssymptom, son?
dem Product eben dieser Mittel und der dar
durch bewirkten Erweiterung des Lichtloches
ist. *j _ Geringere Erweiterung der Pupille
kann man auch schon dadurch hervorbringen,
dafs man das andre Auge verschliefst oder her
schattet.
V. Das beste Licht wird doch nur blenr
dend , wenn es ungünstig reflectirt wird.
Solche schlechte Reflexe verschuldet manchmal
der Beobachter durc|i schlechte Stellung des
Kranken, zumal in einem vielseitig beleuchteten
Zimmer; eben so wenn er das Auge zerrt und
fixirt, bis es voll Thränen tritt. Stellt er sich
ungünstig, so wird er im Auge des Kranken
*) Vergl. meine Abhandlung iibei die Anwendung
des Bilsenkrautes in ophth. Beob. u. Unter»,
oder ophth. Bibl. St. i. Heft i. S. i. u. d. f. — Defsgl.
opjith. Bibl. B. 2. St. 3, S. 155« — Der angegebenen Auflö-
sung des Bilsenextractes bediene ich mich so oft bey Unter-
suchung der Augen, dafs ich*sie hier unter dem Namen Col-
tyriurn probatorium offizineil gemacht habe, wodurch ich
zugleich dem in der ophth. Bibl. angegebnen Mißbrauch
vorbeuge.
c
34
last nichts sehen, als sich seihst im sogenann-
ten Kindchen im Auge. So sah ich auch,
dafs man einen weifsen Flocken in den Augen-
liammern wollte tanzen sehen , wo nichts wei-
ter zu sehen war, als der Reflex vom Nagel
desjenigen Fingers, womit das untre Augenlied
hinabgezogen wurde. Manchmal ist aher auch
der heohachtende Arzt schuldlos , wenn z # B.
die Hornhaut durch Krankheit halh undurch-
sichtig geworden ist , zu Facetten exuleerirte,
und wenn die Regenbogenhaut dicht anliegt
wegen Verlustes der wäfsrichten Feuchtigkeit etc.
So hat der Wundarzt vielleicht bey der Auszie-
hung des Staars zu Anfange der Operation die
Stellung des kranken Auges gegen das Licht
und seines Auges gegen das kranke recht gut
eingerichtet ; so wie aber die wäfsrichte Feuch-
tigkeit ausgeflossen ist, wird oft dieselbe Stel-
lung nicht mehr gut seyn, zumal wenn eine i
dünne Hornhaut sich eindrückte. — Manchmal
können auch lange Augenwimpern des Kranken
den Ungeübten au f den ersten Blick etwas tau-
sehen.
VI. Um das zu beobachtende Auge rich-
tig gegen das Lacht und gegen sein eigenes
Auge zu stellen, mufs man durch ein ver-
schiebbares Object, worauf man fest hinsehen
35
Jäfst, dasselbe lenken. Gleichsam wie an einer
Schnur wird man es willkührlich aufwärts und
abwärts , rechts und links ziehen können mit
dem zum Ansehen vor gehaltenen und
nach, jenen Richtungen bewegten Finger oder
ßinem andern Objecte.
VII. Wo über das Flach- oder Tief-
Llegen eines Objects am und im Auge geur-
theilt werden soll , also bey Allem auf, in und
hinter der Hornhaut, darf man sich nicht mit
dem Blicke von vorn begnügen , sondern man
mufs auch von der Seite her das Auge un-
tersuchen.
VIIL Liegt das .Object noch zweifelhaft,
ob vor oder hinter der Regenbogenhaut, und
berührt es zugleich die Ränder derselben, so
verändere man die Gröfse der Pupille (nach
Nro IV). Wird mit Erweiterung der Pupille
das Object gröfser, so wird es hinter der Re-
genbogenhaut liegen.
IX. Zu den gewöhnlichen Untersuchungen
reicht das gute unbewaffnete Auge völlig hin ;
bey manchen ist es aber nützlich, sich eines
mäfsigen V er g r öf s r u n gs g 1 a s e s zu brdie-
nen , z # B. einer Staarbrille. Besonders nütz-
lich ist dieses, wo feinere Veränderungen der
Regenbogenhaut zu beobachten sind, und auch
C *
36
gewisse Arten des grauen Staats. Ein solches
vorgehaltenes Glas kann zugleich zur stärkern
Beleuchtung dienen (II, b.)
X. Wo die Untersuchung des Auges Berüh-
rung mit den Fingern lodert, da geschehe diese
sanft, nicht mit kalten, mit Schnupftabak oder
wohl gar mit Contagien von Blattern, Masern,
venerischer Krankheit beschmutzten Fingern,
Eben so hüte man aber auch sich selbst,
wo, zumal verdächtig, triefende Augenlieder be-
rührt werden mufsten.
XI. Die Ophthalmoskopie mufs , wenn sie
vollständig seyn soll, auf vielfache Puncte ge-
richtet seyn. Nicht jede Augenkrankheit wird
für sich ein so vollständiges Augenexamen
fodern , als die folgenden Sätze verlangen; aber
Flüchtigkeit wird hier leicht sehr schädlich, und
die Wissenschaft wird Manches gewinnen,
wenn sich die Aerzte die ganze Beschaffenheit
der Augen merken , die an diesem oder jenem
Uebel leiden , ob sie stark hervorstehen oder
nicht, welche Farbe die Iris, welche Ausdeh-
nung die Pupille hat u. dgl 4 , und wenn sie
dann aus einer gröfsern Zahl solcher Beobach-
tungen vergleichende Resultate ziehen.
XII. Man achte erstlich auf die Lage
^er Augen, ihre Prominens oder ihr Tiefliegen ;
37
ob sie nahe neben einander liegen, oder weit
aus einander \ ob beide in einer geraden Linie
liegen , oder in einem Winkel , mit ihrem
innern oder dem äufsern Winkel tiefer gesenkt»
Eben so auch auf ihre gß wohnliche Pach-
tung.
XIII. Ferner achte man auf die Art , wie
die Augen durch Tubera frontalia, Arcus super-
ciliaris , Augenbraunen und Augenwimpern be-
schützt sind; ob die Haare der Augenwimpern
und Augenbraunen dicht stehen , ob sie dick
oder dünn, lang oder kur£, hellfarbig oder dun-
kelfarbig sind.
XIV. In vielen Fällen mufs auch die Ge-
gend unte-r und um den innern Augen-
winkel untersucht werden, besonders in Hin-
sicht auf den Thränensack, ob sie aufgetrieben,
roth , verwundet , vernarbt , übermäfsig empfind-
lich ist. /
Bey alten Leuten und auch bey Jüngern,
die häufig die Augenlieder krampficht schlössen,
findet man oft ungefähr in der Gegend des
Thranensacks die Haut beuteiförmig hängen ;
dieses ist die Wirkung des steten Wirkens des
Schliefsmuikels , welcher bey seiner Insertion
an den innern Winkel die Haut immer mehr
hier hintreibt.
38
Auch die ganze Gegend um die Augenliei
der her , besonders unter dem untern Augenliede
mufs beachtet werden , da Narben u. dgl. Ver-
änderungen dieser Stellen Veränderungen in der
Lage d^r Augenlieder oft zur Folge haben.
XV. Vielfaltiger sind die Puncte , auf wel-
che bey den Augenliedern gesehen werden
mufs. Sind sie überhaupt roth , geschwollen,
glänzend, welk? Sind sie eng oder weit ge-
spalten? Wenn sie eine enge Spalte lassen, ist
dieses dann ihr Bau oder ist es Wirkung der
Contraction der Mulkeln? Sind ihre Ränder
stark nach aufsen gerichtet , sind sie gleichsam
zu weit für den Augapfel (von Unthätigkeit
des Schliefsmuikels) ? Oder sind sie gegen theils
zu stark gegen den Augapfel gerichtet (vom
Krampf des Schliefsmuikels) ? Wie ist der Au-
genschlag, selten oder häufig, wohl bis zum
Schaumschlagen? Zittern und zucken die Au-
genlieder? Wie verhält sich überhaupt die ex-
tensive und intensive Thätigkeit des Aufhebe-
xnulkels zu der de^s Schliefsmuikels? Ist das
Auge wenig geöffnet wegen schwacher , zu
flüchtiger Wirkung des Aufhebemulkels? oder we-
gen krampfichter Zusammenziehung des Schliefs-
muikels? verbunden mit übermäfsiger Empfind-
lichkeit für das Licht? Ist der Kranke kurz»
39 '
sichtig und hat er sich defshalb nur zu habi-
tueller übermässiger Contraction des Schliefs-
mu/kcls verwöhnt, um deutlicher zu sehen? —
Ist der innere Rand der Augenlider gleich,
oder hat er Ausschnitte, Verschwörungen , Ver-
färbungen, Auswüchse? Zeigt die innre Platte,
zumal des untern Augenliedes, wenn man sie
durch einen sanften Zug noch unten etwaa her-
ausbeugt, normalmäfsige Beschaffenheit, oder ist
sie übermässig roth , sammtartig durch Krank»
heit der Meibomschen Drüsen aufgetrieben , ver*
härtet ? Zeichnen sich zwischenliegende Balg-
geschwülste durch Hervortreibungen ? Stehen
die Wimpern richtig? Zeigt sich vermehrte
Schleimabsonderung durch Fäden, Klumpen
oder gebildete Borken in den Ecken, an den
Rändern, in den Wimpern? ~— Sind die Thrä-
«enpuncte nicht vernarbt, verschwollen, über«
irtäfsig roth? eng, weit, aufgeschlitzt? ohne
fremden Körper? *) Sind sie^richtig gegen den
Augapfel gestellt?
XVI. Ist die Caruncula lacrymalis nicht
vibermäfsig grofs, roth, mit starken Haaren be-
setzt? Oder fehlt sie ganz oder theilweis? Ist
*) Vergl. ophthalmolog. Beob. u. Untersuchun-
gen B. i. St. i.
4ö
Ale Membrana tertia nicht geschwöllen, rötb|
Schwärend? Haben sich keine fremden Körpet
in und unter diese Theile verhaket , einge-
prefst?
XVII. Wo es nöthig ist ^ zu untersuchen)
ob und wo fremde Körper zwischen der
innern Platte der Augenlieder und der
Oberfläche des Augapfels befindlich sind)
beugt man das untere Augenlied leicht hin-
länglich um durch sanftes Hinabdrängen mit
dem äufserlich daran gelegten Finger , und läfst
zugleich den Augapfel nach oben wenden, um
die Falte des Ueberganges der Bindehaut vom
Augenliede zum Augapfel hiedurch zu entwickeln.
Ist die innere Fläche des öbern Augenliedes zu
untersuchen , so fafst man dasselbe sanft an ei-
ner dem Rande nähe liegenden Falte seinet
äufsern Haut mit zwey Fingern einer oder bei-
der Hände und zieht es allmählich auswärts vom
Augapfel ab uri(^ niederwärts , während man,
auch das Auge niederwärts wenden läfst. Die
Uebersicht wird sehr erleichtert , wenn der
Köpf d«s Kranken höher steht oder zurückge*
lehnt ist,
XVIII. Bey dem ganzen Augapfel
achte man auf Gröfse, Bewegung und Richtung
jedes Auges für sich und im Verhältnisse fcü
4*
dem pnderri. (Etvvas verschiedene Gröfse der
beiden Augäpfel ist eine nicht ganz seltene an-
geborne Anomalie.) Eben so auf den Grad sei*
nfer Befeuchtung und Spannung.
XIX. Bey der Bindehaut achte man auf
flie Art ihres Zusammenhanges, mit der Horn-
haut , mit der Sklerotika und an derjenigen
Stelle j wo sie zu der innern Fläche der Augen
lieder übertritti
Dieser Zusammenhang ist oft so auffallend
aufgelockert , dals es bey dem ersten Blicke auf-
fällt. Vorzüglich ist diefs der Fall an der G ranze
der Hornhaut und der Sklerotika , wo sich
dann die Bindehaut oft als ein Ring aufwirft,
der sich zum Theil über die Hornhaut beugt,
und zuweilen bey flüchtigem Blicke verleiten
könnte, etwas in der vordem Augenkammer zu
suchen, was vor der Hornhaut liegt. Eirte an-
dere Stelle, wo diese Auflockerung durch hö-
hern Grad in die Augen springt, ist die des
Ueberganges zum untern Augenliede , wo die
Bindehaut oft als eine blasenartige wurstförmige
Geschwulst hervortritt , zuweilen das untere
Segment des Auges bedeutend bedeckend.
Bey geringerm Grade wird - man die über-
mäfsig lockere Aufheftung nur finden , indem
der Kranke den Augapfel bewegt, wobey dann
42
die Bindehaut sich hin und her schiebt. Der
fremde Finger kann auch einen ganz unschäd-
lichen Versuch in dieser Hinsicht machen , in-
dem man ihn gegen das untre Augealied stellt
und mit diesem gegen die Bindehaut dringt, be-
sonders im äufsern Winkel.
Dafs der sogenannte Fettfleck (ptery-
gium pingue) in der Regel nichts bedeutet, ist
bekannt.
Ferner sehe man auf die Menge und Weite
der rochen Gefäfs'e in der Bindehaut. Auch
achte man darauf, wie in manchen Fällen das
Weifse des Auges bey dem ersten Anblicke
ganz normalmäfsig erscheint, sich aber mehr
oder weniger schnell röthet, so wie Augenlieder
und Augapfel länger fixirt werden. — Dafs dje
beobachteten Blutgefäfse der Bindehaut angehö-
ren und nicht der unterliegenden Sklerotifca er-
sieht man leicht an ihrem länger gesteckten
Laufe , ihrer gröfsern Weite , ihrer flachern Lage
und ihrer Verschiebbarkeit. Wo Auftreibung
der Blutgefäfse zugleich in beiden Häuten ist,
sieht man oft, dafs sich die der erstem über
die der zweyten bey Bewegung des Auges fort-
schieben.
Auch für Veränderungen in der Bindehaut
ist der Blick von der Seite oft lehrreich, indem
43
fer Defecte in derselben, Geschwürch£n , kleine
Excrescenzen etc. entdeckt, besonders auf dem-
jenigen Theile derselben , welcher der Hornhaut
fester aufliegt und dann oft eine facettirte oder
sonst besonders matte, fast taffentartige Ansicht
gibt.
XX. Auch die Hornhaut mufs man von
vorn und von d^r Seite her ansehen, und da-
bey achten auf den Grad ihrer Wölbung, ihrer
Durchsichtigkeit, der Ebenheit ihrer Oberfläche,
ob sich ein Gürtel von Gefäfsen an der Grenze
zwischen ihr und der Sklerotika sichtbar gebil-
det hat, einzelne knotige Gefäfse sich über sie
forterstrecken , mit Vertiefungen endigen. —
Das Gerontoxon ist als eine Verbildung durch
das höhere Alter bekannt.
XXI. So viel von der Sklerotika dem
untersuchenden Auge frey liegt, mufs besonders
untersucht werden, ob sie keine Ausbuchten
hat, blau durchscheinende Stellen, Vertiefungen
durch Verschwärung. Ihre Gefäfse zeichnen
sich von denen der sie bedeckenden Bindehaut
durch ihre kurzen Biegungen und ihre fixe La-
ge ab.
XXII. Die Regenbogenhaut fodert
ein* besonders vielseitige Untersuchung.
44 >
In Hinsicht der Farbe derselben achte
man, was die Diagnostik vorhandener Krankheit
betrifft > besonders darauf, ob sie 1) irgendwo
eine kranke Röthe angenommen hat, da eine
Iritis chronica und acuta weit häufiger vor-
kommt, als die Menge, selbst der Augenärzte*
bemerkt hat. Besonders achte man hiebey auf
den innern Gefäfskreis , der am häufigsten
und meistens am frühesten gerÖthet wird. — -
Auch ohne Entzündung kommt kranke Auftrei-
bung der Biutgefäfse zuweilen vor, wie ich
z. ß. beobachtete bey Augenwassersucht, auch
einmal bey anfangendem Augenkrebse. In die-
sem Falle machte mich zuerst ein rother Schein
aufmerksam, welchen die Hornhaut gab, wenn
ich sie) so ganz von der Seite ansah, dafs ich
quer durch die vordere Augenkammer sehen
konnte. Dieser röthe Schein, den ich fast ein
Opalisiren der Hornhaut nennen möchte, scheint
mir vorzüglich von RÖthe der hinterliegenden
Regenbogenhaut herzurühren. Denn bis jetzt
fand ich dabey gemeiniglich, wenn ich die Re-
genbogenhaut dann recht genau untersuchte,
deutlich unterscheidhare rothe Gefafse in ihr,
und so wie ich duröh örtliche Anwendring des
Bilsenkrautes in die Regenbogenhaut gröfsre
Oontractio» brachte, dadurch jene Gefäfse ver»
45 -
engte , so verlor sich gleichmäfsig jenes Opali-
siren der Hornhaut. In einigen Fällen konnte
ich aber auch keine Abnormität weder in der
Regenbogenhaut, noch in der Qualität der
wäfsrichten Feuchtigkeit dabey entdecken. • —
2) Näckst jener Röthe achte man darauf, ob
ihre Farbe se>hr indifferent, weifs-grau ge-
worden ist , wie es oft der Nachlafs von Iritis
ist. — 3) Sollte man ein vorher blaues Auge
schnell grün geworden finden, und ging et-
was vorher, was eine schwache dem Gelben
nahe tretende Röthe in die wäfsrige Feuchtig-
keit bringen konnte, wie z. B. ein geringes, in
Rücksaugung begriffenes blutiges Extravasat:
so lasse man sich nicht täuschen, für Färbung
der Iris zu halten, was zum Theil das Resultat
desjenigen Mediums ist, durch welches man sie
ansieht. — Uebrigens wird es kaum eines
Winkes bedürfen, dafs ungleiche Farbe der Iris
nicht immer Symptom von Krankheit ist, in-
dem nicht ganz selten Augen vorkommen, de-
ren Iris eine ungleiche Färbung hat , z. B„
grauen Grund mit schmalem oder breitern Segr
menten von brauner Farbe. *)
*) Möge man doch mehr auf die Umänderung der Farbe
der Iris achten, die nicht Krankheit, sondern Folge reiferer
Ausbildung des Kindes i r t. Wie oft hört man nicht die Bc»
4 6
Was die Aetiologie der Augenkrankheiten
betrifft, indem dieses oder jenes den Typus
gibt, der mehr oder weniger zu dieser oder je-
ner Augenkrankheit Anlage enthält, so achte
man auch darauf, ob die Mehrheit der Augen
bey gewissen Krankheiten eine blaue, braune
oder graue Iris hatte. So gibt es dunkle Au-
gen, die mich nach gerade erschrecken, wenn
ich sie an Menseben wahrnehme , die über
eine gewisse Art von blödem Gesichte klagen
u. s. w.
XX1IL Nächst der Farbe achte man auf
die Ausdehnung des Irisringes und die
hiedurch bestimmte Gröfse der Pupille. Ob er
breit ausgedehnt ist? oder eng in sich zusam-
mengezogen? Ob sein innrer Rand zirkeiförmig
ist, oder ausgezackt, eine eckichte Figur bildet,
und ob in diesem Falle ihre Winkel horizontal
merkung der Mütter, ihre Kleinen haben blaue Augen zur
"Welt gebracht und diese seyen nach und nach braun gewor-
den. Diefs ist allerdings wahr, nur sah ich nie bestimmt
hellblaue , kornblumenblaue Iris bey iNeugebonien. Den
Übergang der blofs stahlgrauen Iris in eine braune beobach-
tete ichx)ft, in einigen Fällen partiell, und dann blieb
die Farbe so partiell, wie ich sie eben aiigab , zuweilen nur
an Einem, zuweilen auch an beiden Augen, zuweilen sym-
metrisch.
/
47
oder perpendikulär stehen? *) Ob derselbe
scharf abgeschnitten ist, oder wulstig, oder mit
tiefer liegenden Theiien verschmolzen ? Ob an
einem ungewöhnlichen Orte er abgetrennt ibt
und eine abnorme Pupille bildet?
XXIV. Auch die Textur desselben beob-
achte man: Ob sie netzartig ist, oder gegen-
theils ungewöhnlich solide, dicht membranös,
fafst gleichartig , oder in jenem Netzwerke ge-
füllt mit sblidirtem Faserstoffe?
XXV. Für die Iris selbst und zum Theil
um derer Theile willen, welche sie von hinten
mehr oder weniger unterstützen , ist es auch er-
f oderlich, zu untersuchen die Lage der Iris,
ob sie flach steht, oder mit ihrer vordem Flä-
che convex oder coneav. Ihre convexe Stel«
lung zeigt auf zu starke Unterstützung von
hinten her, wie übermäfsige Vergröfserung des
Glaskörpers , der Linse , der morgagnischen
Feuchtigkeit , Wucherungen der Kapsel und
übermäfsige Anhäufung der wäfsrichten Feuch-
tigkeit nur in der hintern Augenkammer
*) VeTgl. die Anzeige von des Heim Dr. Kies er r Dis-
sertation de anamorphosi in diesem Stücke der ophth. Bibl.
— Dafs der Band der Pupille bey gesunden Augen .zuweilen
bogenförmig ausgeschweift ist, bemerkte ich schon in den
op hthalmolog. Beob. St. i. S. 49. u. f.
48
sie bewirken können. ILre convexe Stellung
zeigt gegentheils hin auf Verminderung des Vo»
lumens dieser Theile, am häufigsten auf Ver-
kleinerung oder gänzliche Resorption, oder Dis-
location der Linse. — Hiebey bringe man
aber auch die normale Lage der Iris in An-
schlag, die besonders von dem Alter des Sub-
jectes abhängt, da, mir wenigstens, bey zarten
Kindern ihre vordre Fläche bestimmt convex
zu liegen scheint. *) Auch achte man darauf,
ob ein Schwanken von vorn nach hinten S'tatt
bat, besonders bey Bewegung,
XXVI. Untersuchung verdient ferner die
Beweglichkeit der Iris. Vorzüglich be-
stimmt diese 'die Weite der Pupille, die man
in verschiedenem Lichte, zuweilen selbst bey
vorgehaltener Wachskerze, _ untersuchen und sie-
gen den Grad des Lichtes abmessen mufsr Da-
*) Über diesen Funkt Tedete ich schon ein Paar Worte
in den o phthalm. Beob. St. i. S. 23. u« f. Bey einem
Schriftsteller fand ich nachher geradezu Widerspruch mit
drey Worten j diese haben mich aber gar nichts gelehrt, da
auch das nicht neu ist , dafs Schriftsteller hastig und lustig
über Dinge absprechen, welche Andere hundert Male unter-
suchten und doch noch mit Auffassen des .Resultates zaudern.
So weifs ich jetzt selbst nicht einmal mehr , wer jener zei-
tige Schiedsrichter war zwischen .>o vielen entgegengesetzten
Beobachtern.
49
bey achte man auch darauf, ob die Verände-
rungen der Pupille durch die Veränderungen
des Lichtgrades rasch oder träge erfolgen ? Oh
sie bald aufhören, oder ob die Iris lange oscil-
lirt? *) Ob die Pupille Eines Auges vor dem
Andern Auge her erregbarer ist? Bey eini-
gen Arten von Amaurose und Amblyo-
pia amaurotica schien mir selbst d 3 s
Verhalten der Iris gegen Licht uncf
Schatten ganz umgekehrt zu s e y n , in-
dem bey schnellem Eröffnen der vorher dicht
geschloisnen Augenlieder die Pupille ziemlich
klein erschien und dann im starkem Lichtgrade
sich erweiterte. Eine solche Beobachtung finde
ich nirgend aufgezeichnet. Pie. Erscheinung
schreibe ich der übergrofsen Receptivität des
Auges zu , vermöge welcher das gemeine helle
Licht schon paralysirend wirkt ; wenigstens
hatte bey meinen Kranken das Augenübel si-
cher diesen Grundcharakter. *) — Bey der.
Verengerung und Erweiterung der Pupille achte
man auch darauf, ob sie an allen Stellen gleich-
mäfsig geschieht, oder ob einzelne Stellen der
*) Vergl, ophtha Im. B e ob. St. t. $, 46. u. f.
*) Boy einer Amaurotischen in Berlin beobachtete es iletr
ProfessoT G > u p en g i e s j e r mit ran
D
5o
Iris zurückbleiben , wie diefs besonders bey
partiellen Adhäsionen Statt hat.
Wo aber die Pupille bey den verschiede*
nen Lichtgraden immer dieselbe Weite behält,
da übereile man sich nicht, defshalb schon an»
Zunehmen, es gingen keine hmern Verände-
rungen in der Regenbogenhaut vor. Diese in-
nere Erregung ist oft nur durch Anheftung des
Randes auf die Kapsel , oder durch Verbindung
der Ränder unter einander bey der geschlofsnen
Pupille behindert , sich durch Veränderung
der Pupille zv. äußern, und genauere Unter-
suchung zeigt noch innere Bewegun-
gen der Iris, die besonders bey nrtz-
förmiger Strlictur derselben deutlich
werden, oder man bemerkt auch etwas Ver-
änderung in der Lage der Flächen (XXV.).
Nicht selten ist aber die Iris wirklich paraly-
tisch , oder durch Ubernährungen zu jenen Be*
wegungen unfähig geworden.
XXVII. Die grofsen Veränderungen der
Linse und ihrer nächsten Umgebungen lehrt
die specielle Lehre von dem wahren und fal-
schen grauen Staare.
XXVITI. In Hinsicht der vordem 'Au-
genkammer und des in ihr Enthaltenen hüte
man sich sehr, Aufschwelluii^en und Verdunk-
51
lungen der vorliegenden Häute für Trübung
der wä'fsrichten Feuchtigkeit durch krankhafte
Secretionen und Excretionen zu halten. Auf
der Einen . Seite ist Secretion von eiterartiger
Masse in die vordere Augenkammer weit häufi*
ger, als es selbst nicht schlechte Ärzte erken-
nen ; besonders läfst sich diese erwarten , wo
die Iris , wenn auch nur etwas an ihrem in>
nern Ringe, geröthet erscheint. Auf der an-
dern Seite sind und werden noch täglich eine
Menge Augen durch die Verwechslung künst- ,
lieh zerstört, dafs man milchweifse Trübigkeit
der Hornhaut in gewissen EntzünHungsarteri
derselben, besonders bey den sogenannten me-
tastatischen, für Füllungen der Augenkammern
mit Eiter, wohl auch mit metastasirtem Blatter-
gifte , Tripperschleim etc. hielt , und dann mit
einem Einstiche in die Hornhaut nach Art ei-
nes Abscesses behandeln zu müssen glaubte und
noch glaubt Zum Unterscheidungszeichen dient,
dafs die Trübigkeit der Hornhaut, sie rqpge
entstehen von aufgelockerter und dadurch trübe
gewordener Textur der Hornhaut oder von in
ihr eingeschlossenen undurchsichtigen Feuchtig-
keiten, ihren Platz fest behalt, da hingegen
in der weiten Augenkammer die schwerere
Flüssigkeit den tiefem Ort sucht und erreicht,
D 2
52
defshalb unten in dem eckichten Räume zwi*
sehen Hornhaut und Regenbogenhaut steht, und
bey Seitenbewegungen des Kopfs sich seitwärts
bewegt, in dieser Falze fort. Dieses sinef zu*
gleich die Stellen, wo sich das Gerontoxon bil*
det und wo oft Ringe der aufgelockerten Con-
. junetive sich vorlegen; die Unterscheidung hie-
vön ist aber leicht. Aber eine genauere Be-
stimmung jener eben angegebenen Beweglich-
keit ward noch nöthig, wenn keine Täuschung
entstehen soll. Sehr oft fand ich tr ü b e
Massen in der vordem Augeukaiamer,
welche ihren alten Fleck behaupte*
ten, obgleich ich den Kopf nach den
Seiten bewegen liefs. Ist nämlich diese
Masse zähe, viel Eyweifsstoff enthaltend , und
ist sie noch nicht in gröfscrer Menge angesam-
melt , so liegt sie in der angegebenen Falze zu
fest , um sogleich vermöge ihrer Schwere sich
foitbewegen zu können. Man lasse aber
d e n, Kranken nur mehrere Stunden
auf Einer Seite liegen, und nun' wird
man die W ander ung finde n.
* Manchmal scheint die wäfsrichte Feuchtig-
keit r ö t h 1 i c h zu seyn , und doch ist wirklich
nur die Iris geröthet und die Hornhaut -gibt
einen rötülichen Schein (XXII. i.) Gegeutheils
53
zeigt grün gewordene vorher blaue Iris auf Ver-
färbung der wäfs richten Feuchtigkeit (XXII, 3.)
u. s. f.
XXIX. , Endlich achte man auf den Boden
des Auges, welche Farbe er besitzt. Ob sie
ist voll schwarz? oder graulicht, neblicht?
grünlicht ? Ob wohl selbst Gefafse daselbst wahr-
zunehmen sind ? Dabey nehme man darauf Rück-
sicht, dafs die Schwärze der Pupille sehr ab-
hängt von dem Grade der Beleuchtung , also
auch vom Grade der Erweiterung der Pupille,
worauf ich schon an einem andern Orte auf-
merksam gemacht habe. *) Auch halte man
überhaupt nicht voreilig eine nicht voll schwaze
Pupille für etwas krankhaftes. Bey gesundem
Auge und gesundem Gesichte findet man oft die
Pupille grau , wie beym anfangenden grauen
Staare , und rauchichter wie bey mancher voll-
kommenen Amaurose. Wo die Pupille wirklich
krankhaft rauqhicht ist , gehört es dann zur
speciellern Untersuchung > ob der Grund in der
Linse und Linsenkapsel, oder im Glaskörper,
oder wirklich im Boden des Auges liegt, und
*) Ophthalmolog. B eob. S t. 1. S. 96. au f.: Er-
klärung zweyer Keb'ensymptome des schwar-
zen Staars, na in lieh der rauchichten Pupille etc.
54
60 Katarakt, Glaukom oder anfangende Amau*
rose da sey. ,*)
XXX. Noch ist ein Theil zurück, welcher 1
nur zu häufig seihst Augenärzten fast ganz aus
dem Gedächtnisse gefallen ist, nämlich die Thrä-
nendrüse, die nicht selten der Hauptsitz ei-
ner Krankheit ist, hey welcher der Arzt nur
an den Augapfel denkt, und seine übermäfsige
Feuchtigkeit oder Trockenheit von jener tTaupt-
quelle richtig abzuleiten versäumt. **) Er achte
sehr auf die Gegend, wo diese Drüse liegt, ob
in ihr der Schmerz fixirt oder am heftigsten ist;
oh diese Gegend für Druck besonders empfind-
lich ist; ob sich wohl selbst hier eine Geschwulst
im oberri Augenliede hervordrängt, oder gar;
den Augapfel seitwärts und abwärts drangt.
Dann achte er auf die Menge der Thränen und
schliefse auf ihre Qualität auch von der Be-
schaffenheit der durch sie benetzten Theile mit
Einschlufs der Nase , deren Affection bey der:
*) Im letztern Falle hat man gewöhnlich auch noch zu
wenig darauf geachtet , woher denn die Blässe bestimmt*
rührt, ob vom Mangel an schwarzem Pigmente, oder von
Verdickung der überliegenden Netzhaut.
•*) Schmidt machte sich auch um diese veTgesseiiö
Tartie viel Verdienst durch sein Werk : üoer die Krankhei»
tcn des Thiäiienorga»9. Wien 1803»
sogenannten Ophthalmia humida sicher oft vor-
. füglich erst durch jene scharfen Thränen ent-
steht, welche durch die Thränenwege zu ihr
kamen.
XXXI. Alle bisherigsn Untersuchungen
(I — XXX.) waren ganz eigentlich Opluhalmo-
scopie; aber obgleich bey weitem die meiste
Untersuchung des Auges mit dem Auge gesche-
hen mufs , so gibt es doch noch andre Mittel
derselben , nämlich durch den Tastsinn und
durch Erforschung der Empfindung de*
K ranken.
XXXII. IDen Tjfctsinn nehmen wir be-
sonders zu Hülfe, um über die Spannung der
Augenhäute zuurrheilen, ob diese das Maafs
überschreitet, den Augapfel fast steinartig an-,
zufassen macht, oder gegentheils derselbe sich
schwammicht nachgiebig anfühlt. Ein geübter
Blick kann aber dieses Gefühl meistens schon
sehr bestimmt voraus ankündigen. Diese Un-
tersuchujMj ist besonders nöthig anzustellen bey
der Amaurose und Annäherungen zu derselben
und bey Schliefsung der Pupille. — Auch,
Knoten, Balggeschwülste in den- Augenliedern
fodern Untersuchung durch das Zufühlen.
XXXIII. In Hinsicht des Gemeinge-
fühls lasse man sich bestimmt angeben, ob
5*
der Kranke Schmerzen fühlt? Wenn am mei-
sten , oh früh Morgens , spät Abends , Nachts,
nur in hellem Lichte etc. ? beym Schliefsen der
Augen, oder beym Offnen? Wo der Sitz der-
selben ist? Wie ihre Art, stechend, brennend,
spannend, zusammenpressend, klopfend, ju-
ckend ? Dabey ist besonders nöthig , j die Art,
wie der Kranke seine Gefühle äufsert, in An-
schlag zu bringen, und meistens geben die Kran-
ken Gefühle an und im Au^e sehr lebhaft und
ängstlich an.
XXXI \ r . In Hinsicht des Sehens unter-
suche man ein jedes Ad^b für sich. Ob das
Sehen gestört, aufgehoben ist? Sieht der Kranke
alles zu grofs , oder zu klein? nur halb? dop-
pelt? eckicht? das Ruhende in Bewegung? die
Gegenstände mit einem Regenbogen umgeben,
und zwar immer oder nur bey künstlicher Er-
leuchtung , und nur wenn er die An gen eine
Zeitlang ungeschlossen Erhielt ? Sieht der Kranke
bey der ersten Richtung des Auges £u£, zumal
etwas kleine, Objecte gut, und verwirren oder
verdunkeln sie sich alsdann nach und nach?
Oder werden gegentheils bey fortgesetzter An-
strengung , deutlich zu sehen , die Objecte nach
und nach klarer? Ist die Dauer des bestimmten
Seliens sehr kurz ? Wie ist das Sehen zu den
57
verschiedenen Tageszeiten? Ist es besser bey
starkem, odeY bey schwachem Lichte? indem
das Auge, oder indem der Rücken dem Lichte
zugekehet ist? In welcher Entfernung ist das
Sehen am deutlichsten, und hat für die klei-
nern Objekte der Raum für das bestimmte Se-
hen nur eine kleine Extension ? Sieht der Kranke
die Farben bestimmt und mit andern überein-
stimmend? Wo nicht, sieht er alsdann die Far- N
hen heller , dafs er z. B. gelb für weifs , weifs
für farbenlosen Glanz hält? Oder sieht er sie
gegentheils dunkler , dafs er z. B. ein dunkles
Roth oder auch wohl Blau für schwarz hält?*)
Bey den Farbenverwechslungen vergesse man
auch nicht ganz die seltenen Fälle von solchen
Idiosynkrasieen.
XXXV. Zuweilen geben Menschen ihre
Empfindungen überhaupt und besonders ihr Seh-
vermögen g efl i s s e n tl i cli unwahr an, be-
haupten selbst bey gesunden Augen stockblind
zu seyn. Am häufigsten findet man solche
Schelmerey bey jungen Burschen, welche mit
*) Vergl. meine Bemerkungen über die Haupt.
arten der Amblyopie und Amaurose in
ophth. Bibl. B. 2. St. 3. S. 137^ n. f. wo man den Nutzen
dieser Untersuchungen für die Ätiologie dieser schweren
Krankheiten finden wird.
58
Gewalt Soldaten werden sollen , bey Soldaten,
die in das Feld ziehen sollen, bey Müssi oran-
gem, die lange in Spitälern und sonstigen Ver-
sorgungsanstalten ohne Arbeit leben wollen, im
geringern Grade auch wohl bey schulscheuen
Knaben und wilden oder tragen Mädchen,- die
für ihre Neigung zu viel stricken , nähen , sti-
cken , zeichnen sollen. Wo völlige Blindheit
geheuchelt wird , kommt man bald hinter die
Wahrheit, sobald man nur mit einem zweifeln-
den Auge sie im Stillen beobachtet, wie sie
umhergehen und ohne zu tasten sich an frem-
den Orten schon finden etc. Die Hauptprobe
ist, dafs man sie durch sxhtbare Objecte zu
überraschen sucht, indem man z. B. schnell,
aber ohne allgemeine starke Bewegung und Lär-
men ein glänzendes Object aus der Tasche
zieht, mit einem Messer oder auch nur mit
dem Finger auf ihr Auge loszufahren den An-
lauf nimmt u. dgl. Sehr schwer ist es aber oft
bey fingirt nur schwachem Gesichte hinter
die Wahrheit zu kommen, zumal wenn dieje-
nige Schwäche fingirt wird , wobey auch kleine
Objecte deutlich gesehen #erden eine Zeitlang,
doch nur auf kurze Dauer. Hier ist oft lange
Beobachtung nöthig.
XXXVI. Häufiger sind diejenigen F*\h f
59
Wo der Kranke falsch berichtet durch
Selbsttäuschung. Aufseist häufig sind zu-
itial die Fälle, wo Kranke eine Blindheit von
mehrern Jahren als erst ganz kürzlich entstan-
den angeben, indem sie nämlich mit Einem
Auge schon lange blind oder sehr schwachsich-
tig waren, dieses aber erst bemerkten, wie sie
sich späterhin einmal zufällig das andre sehende
Auge verschlossen , oder wie auch dieses Auge
weiterhin schwach oder blind wurde*
XXXVII. In vielen Fällen ist es sehr nö-
thig , selber Versuche mit dem Kranken an-
zustellen ^ theils um von dem jetzigen Zu-
stande sich selbst zu überzeugen und oft auch
dem Kranken ihn selbst erst zu entwickeln,
theils um weiterhin den Fortgang oder
Rückgang der Krankheit richtig schätzen zu
können. Solche Versuche macht man z. B. mit
Drucke und Schrift von verschiedener Gröfse,
[NB. wenn der Kranke lesen kann] oder mitPunc-
ten von verschiedener Gröfse, die mit Dinte
auf weilses Papier oder mit Kreide auf eine
schwarze Tafel gezeichnet sind , und die man
dann zu Wiederholung und Vergleichung der
Versuche aufbewahrt. Zu den Versuchen mit
den Farben hat man, wenn nicht verschiedent-
lich gefärbte Bänder oder Papierstreifen , bey
6o.
welchen man die Farben sehr gut wählen
tonnte , *) doch wohl solche Oblaten hey der
Hand. — Glänzende Objecte , z. B. Schlüssel,
Scheeren , gehen ein sehr trügerisches Mafs,
indem im Glänze dieselben dem schwachen
Auge oft zu undeutlich werden und ohne Glanz
sie wenig Auffallendes besitzen; manche Erfah-
rungen bey am Staar Operirten haben mich die-
ses gelehrt. — Auch in verschiedener Entfernung
stelle man Versuche an, und achte auch auf die
Dauer des deutlichen Sehens beym Lesen u. -dpi.
XXXVIII. Endlich mufs man bey diesen
Untersuchungen überhaupt das Eine Auge mit
dem Andern zu vergleichen nicht versäumen.
Anmerkung: Man vergesse nicht , da fs
bev diesem ganzen Aufsatze es nicht der Zweck
war, eine einzelne bestimmte Krankheitsiorm zu
sj&nalisiren.
*) In meiner Klinik gehören solche Papierstreifen so gut
zum Apparate , wie Sonden.
öl
3, Einiges aus dem Formulare zur rieh*
tigen Behandlung kranker Augen.*)
I. Alles , was auf das Ganze wirkt, wirkt
auch auf den Theil; was auf den ganzen Orga-
nismus wirkt , wirkt auch auf das Auge. Aber
ungeblendet durch neuere Phantome (lichte
Nebel blenden am meisten) mufs man auch ein-
sehen , dafs , so wie vermöge seines Baues das
Auge besonders empfänglich für das Licht ist,
eben so auch andre Eintlüsse, auch .Arzneykör-
per, auf dasselbe anders whken, ia an der in
Grade, als auf Tneile, die nicht blols dem
Baue nach', sondern nach ihrem Verhältnisse
von Receptivität und Wirkufcgs vermögen ander»
construirt sind. Nach richtiger -Bestimmung
t ort
gibt es unlaugbar Specifica und so auch Specifi-
ca Ophthal mica.
IL Nächst dem Hirne herrscht im Auge
*) Antiquarische Untersuchungen dieser Axt lieferte
/. //. In gier in seiner Dissertation: de collyriis vetcrum
vuriijque ecrum xlifferentiis. Buetzov 1^4.
am meisten vor Receptävitat , Nervensubstanz,
selbst reine Muikeln sind die receptivesten, will-
ig ührlichsten , sind mit ganz eigenthümlichen
Nerven (oculi motorius, trochlearis und ahducens)
begabt. Jeder durchdringende positive Reiz
wirkt ohne weitere Beziehung da am heftigsten
erregend, wo er durch die gröfste Receptivitat
die gröfste relative Gewalt erhält, daher wirken
diese alle, Wein und Naphthen z. B. , beson-
ders stark auf die Augen.
III. Alles, was besonders Wirkungsvermö-
gen, Contraction , Irritabilität potenziit und eben
so Receptivitat, Expansion, Sensibilität depo-
tenzirt , mufs diese Veränderungen besonders
früh und stark im Auge hervorbringen, indem
solche Substanz im Auge die Macht der Gefafs-
baut über die der Netzhaut, im Augenmuikel
die Macht der Mnikelfa^er über die des Ner-
ven , überhaupt Energie über ' Receptivitat un-
mäfsig erhebt, um so mehr, *je reinere Recepti-
vitat hier herrschen mufs, wie sie in der Netz-
haut thront, und je aelbststündiger in diesem Or-
gane , in der Gefäfshaut , das irritable System
sich ausgebildet hat. — Daher die auffallende
Wirkung aller besonders kohlenstoffhaltigen Sub-
stanzen, den Augapfel steif, die PupiUe weit
und das Gesicht trübe zu machen, wie diels
.
63
besonders von der Belladonna allgemein be-
kannt ist. Eine weitere Auseinandersetzung
fcann hier nicht verlangt werden, da sie eine
weit allgemeinere Untersuchung, nothig machen
würde. *) Wer mit dem Geiste der Zeit fort-
gegangen ist, wird sie auch nicht sehr entbeh-
ren, und wer diefs nicht ist, mag tiefer anfan«
gen. In da$ Speciellere werde ich hier defs«
halb zweckmäßiger etwas hineingehen. Von
der Belladonna ist jene Wirkung . am bekannte-
sten ; wir fanden sie aber auch mehr oder we-
niger bey andren Narcoticis , namentlich bey
Straxnouium , Hyoscyamus , Aconitum , Nux vo»
inica , Digitalis purpurea , Pulsatilla nigricans,
Opium. Auch das Bley, dieses metallische Nar-
coticum, wirkt so. Aber nicht blofs von den
Narcoticis kann man sie wahrnehmen, sondern
auch von den ätherischen Mitteln, z. B.
vom Kampher ; eben so auch von den bittern
*) Um Misverständnissen vorzubeugen, will ich jedoch
bemerken, dafs Contraction, Wirkungsvermögen und Irri-
tabilität mir eben so wenig Synonyme sind, als wiederum
Receptivität, Expansion, Sensibilität; so wie auch , dafs,
wenn ich voxi Potenzirung der Sensibilität rede, ich darun-
ter die Potenzirung ihrer Tendenz , mittelst des Factors der
Receptivität verstehe, und unter Potenzirung deT Irritabili-
tät die Potenzirung ihrer Tendenz, mittelst des Factor» de*
Wirkungsvermögens.
6 4
Mitteln. Schon Tode *) fand dieses von dem
fortgesetzten Gebrauche der Quassia , ich achtete
seitdem darauf, und fand die Beobachtung sehr
richtig. So habe ich mehrere Male sehr deut-
lich wahrgenommen , dafs Menschen nach dem
fortgesetzten Gebrauche stark bitterer Biere die
Schärfe ihres Gesichtes verloren , und glaube
defshalb auch, dafs die Klagen, welche hie und
da sich im Volke erhoben haben , dafs der
(stärkere* bittere) Zichorienkaffee die Augen ver-
derbe , bey Manchem nicht ohne allen Grund
seyn mögen. Die nahe Verwandtschaft des
Bittern mit dem Narkotischen hat sich ja über-
haupt so deutlich gemacht, dafs Manche sich
dadurch verleiten liefsen , ihr scharf abgesonder-
tes Principium narcoticum dem amaro versteckt
heygemischt anzunehmen. — Bey genauerer
Beobachtung wird man aber auch selbst bey
diesen Mitteln wieder eine Verschiedenheit be-
merken, indem nicht alle dieselben Theile des
Auges gleich stark und vorzugsweise afheiren,
sondern einige mehr das Sehen, andre mehr die
Beweglichkeit und Spannung der Iris und der
Augenmuskeln verändern. Das Opium z. E.
•) Nöthiger üHtenicIit für Hvpochondmtcn. Kopenha-
gen 1797- $. so.
-
65
hat meistens den Zustend der Retina schon sehr
verändert, ehe Iris und Augenmuikeln bedeu-
tend afficirt sind, hingegen die Belladonna hat
meisfens die. Unterwürfigheit der Augenmufkeln
unter den Willen und den Nerven, so wie die
Abhängigkeit der Iris vom Lichte, schon sehr
gemindert, ehe im Sehen viel mehr Umänderung
vorgegangen ist , als der Erweiterung des Seh-
lochs zugeschrieben werden kann. Je flüchtiger
das Mittel, desto mehr ist seine Richtung gegen
den Gefühlsnerv, je fixer, desto mehr, gegen den
Bewegungsnerv , und das ganz fixe Bittere
scheint die Retina vorzüglich durch die Cho-
rioidea>zu verändern mit seiner langsamem , aber
äuiserst mächtigen Kraft die Thätigkeit des Sy-
stems der Blutgefafse überhaupt zu verstärken.
An die ätherischen Mittel schliefsen sich von
der andern Seite die Spirituosen an, welche als
noch flüchtigere , reiner wasscrstoifhaltige Sub-
stanzen die noch höhern Punkte des sensibeln
Systems f vorzüglich das Hirn , besonders aflici-
ren, und nur in gröfsern Dosen der Retina
oder vollends den Augenmufkeln hervorstechend
lästig fallen. Diese Scala wird aber durch die
Individualität des Subjectes verschoben ; näm-
lich je sensibler dasselbe überhaupt oder in sei-
nem Sehorgane ist, desto mehr wirken die Spi«
E
66
rituosa wie Aetherea, die Aetherea wie Narco-
tica, und die Narcotica wie Amara. *)
IV. Auf der andern Seite werden nun
auch die entgegengesetzten Einflüsse, wVlche
Receptivität, Expansion, Sensibilität sehr erhö-
hen , indem sie zugleich Wirkungsvermögen,
Contraction, Irritabilität vermindern, gleichfalls
das Auge stark afficiren. Bey schwächenden
Leidenschaften, Blutverlust, Hunger wird die-
ses sehr auffallend. Von Arzneykörpern mit
dieser Tendenz bemerkten wir es weniger, als
bey den vorigen, öfter die auffallendsten Vergif-
tungszufälle hervorbringenden Substanzen ; je-
doch fehlt es nicht ganz an vielleicht hieher
passenden Beobachtungen. TVichm ann und
Stieglitz zogen (Hufelands Journal für die
prakt. Heilkunde. B. VIII.) eine alte Beobach-
tung von Burggrave wieder ans Licht,
und bestätigten sie durch eigne Erfahrung.
Dieser sagte nämlich vom Gummi ammoniacum
und galbanum (de aere, aquis et locis urbis
francofurtanae. Francof. ad moen. 175 1. }J. 110.)
„singularis est laudatorum gummatum largiuscule
■per dietn sumtorum ejfectus a nemine , auantum
") Vielleicht hängt von demselben Gesetze die Verschie-
denheit der Virulenz der Mittel bey verschiedenen Thieren ab.
67
scio , indicatus visum miro quodam modo äff-
ciendu Circa Vesper am assumentibus muttis vi"
detur , vel quasi aes fusum et julgens ob eculos
versetur , si vero ellychnium accensum forsan
aderity koc mire fulgentibus coloribus circumda»
tum apparet , vel aliis spissa nebula 9 interdum
ex pulvere per aerem quasi sparso constans , vi*
sum obfuscat. Post aliquot vero horarum lap-
sum haec symptomata sponte iterum et perfecta
cessant. *) Obgleich beide Substanzen auch ein
ätherisches Oel geben , so neigen sie sich doch
sehr zu dem stickstoffhaltigen Empyreuma ; das
Ammoniacuni hat viel scharfes , selbst purgiren-
des. Das Ammoniacum bringt nach meinen öf-
tern Beobachtungen auch innerlich angewandt
leicht Hautausschläge hervor, wie andre scharfe
Mittel , und in allen therapeutischen Beziehun-
gen finden wir ihre grofse Verschiedenheit von
dem Aetherischen , indem diese Antihysterica
z. B. den Krampf lösen, welchen Kampher nur
verstärkte. — Wollen wir Hahnemanns Ver-
*) Bur g gr ave setzt noch hinzu ; An haec dietbrum
gummatum facultas aliquid nervis inimicum signat ? an
ctd p ur gandos oculos forsan dir ig i p o terit?
sit problema ! Hier füge ich dieses nur als einen vorläufigen
Wink ara, und werde bey der Fortsetzung meiner Abhandlung
über die Amaurose mehr darüber mittheilen.
E 2
68
suchen Glauben beymessen, (Fragmenta deviribus^
medicamentur. positivis a S, II ahn em an n. Lins.
1805.) so erregten innerlich genommene Kantha-
liden sensum mordacem in oculis , quasi a sale
culinari insperso (p. 57.)» innerlich genommenes
Capsicum erregte Augenentzündung (p, 71.), Sei-
delbast Verengerung der Pupille (p. 179).
V. Doch dieses Alles bemerkte ich hier nur
gleichsam als beyläufigen Introitus. Das For-
mulare wird nicht dadurch bestimmt, aber sehr
die richtige Wahl und Dose der Heilmittel
und selbst manchmal die gewisser Nahrungs-
mittel.
VI. Anderen Mitteln geben wir ihre beson-
dere Richtung auf das Sehorgan durch das L o -
cale ihrer Anwendung, als 1) auf die ganze
Augengegend, 2) besonders auf die Gegend des
Thränensacks, 3) besonders auf die Augenlieder,
4) auf die innere Fläche des Tbränensacks,
5) auf die Oberfläche des Augapfels, 6) in seine
Tiefe wie durch Licht und ähnliche feinere
Einfiiisse, oder bey aufgehobenem normalen Zu-
sammenhange auch durch gröbere Substanzen.
Die Phanuaca wenden wir an entweder in
(5 9
Dunstgestalt, oder in flüssiger, oder, in Form
von Breven und Salben , odt-r in trockner Ge-
stalt. Diese Formen der Mittel
und diese .Anwendungsflächen für
dieselben sind die Objecte der folgenden Be-
merkungen.
VII. In Dunstgestalt können nur
flüchtige Substanzen angewandt werden , Spiri-
tuosa , Aetherea, Aethereo * erapyreumatica , Am-
moniacalia. Leider ist es für Manchen noch
nöthig, zu bemerken, dafs sich der Schleim
nicht verflüchtigt, sondern ruhig im Gefäfse zu-
rück bleibt, wenn auch schon der Arzt mit sei-
nen Dämpfen von schleimichten Mitteln, Althea
u. dgl.,' Augen oder Lunge zu laben glaubt«
VIII. Viele Arten, wie solche Substanzen
angebracht werden können, sind bekannt. Man
läfst von den stärkern, wie z. B. vom Ammo-
nium, in der vorgehaltenen warmen Hand ei-
nige Tropfen gegen die Augen verdunsten. Von
den schwächern läfst man den Dunst der war-
men Infusionen gegen das Auge steigen , aus
einem oben engen Gefäfse, stärker duroh das
70
Rohr eines auf das Gefäfs gestülpten Trichters ;
bey welcher Art zu grofse Hitze und besonders
auch schnell folgende Abhaltung zu meiden ist.
Manche in trockner Gestalt als Kräuterkissen
aufgelegte Mittel wirken auch nur durch diesen
Dunst, eben so auch vorzüglich die Einwirkun»
gen flüchtiger Substanzen , z. B. des Ol. cajep.,
in die Gegend der Augen. Unsicherer und
schmutziger Volksgebrauch ist, dafs die War«»
terinn Myrrhe, Kampher und ähnliche Mittel
kaut und dem Kinde anhaucht, oder dafs die
Hausmutter ihre triefenden Augen über dem
Kaffeetopfe für die Familie erst bähet, ehe sie
seinen Gehalt heruratheilt. — Wo ich an das
Auge anhaltend Kampherdunst bringen will,
ohne ihm zugleich das Licht ganz zu entziehen,
Jasse ich ein doppeltes Stückchen FJor mit zwi«
schengenahetem Kampher vorhängen. — Bey
einigen hieher gehörigen Gesundbrunnen , z. B.
den Schwefelquellen Achens, fand ich hie
und da einen zweckmäfsigen Apparat, der aus
einer blechernen Röhre besteht , die auf das
Dunstloch pafst und in eine Augenwanne sich
endigt. Einen ähnlichen Apparat bildete Lefe-
hure (Ueber den schwarzen Staar und
die neu entdeckte Heilart desselben
mittelst des Wasserstoff gas. Leipz.
i8oi. Tab. 3.) zur Anwendung des Wasserstoff-
gases ab.
VIII. Um festere Substanzen in flüssi-
ger Form anzuwenden, bedienten sich die
altern Arzte besonders als Vehikel* oft des de-
sti Hirten Wassers des Augentrostes
(euphrasia), der Plantago und almlicher Pflan-
zen , die mit Recht längst zurückgesetzt sind ;
dem Rosenwasser gab man nachher die Al-
leinherrschaft so sehr, dafs Mancher wohl nie-
mals ein Augenwasser ohne dieses verordnet
hat, wobey Viele wieder ihren Mangel chemischer
Kenntnisse verrietjien, und wohl noch verrathen,
indem sie nicht wissen, dafs sie das Salz eben
$0 wenig als den Schleim überdestilliren kön*
nen, und die Aqua Rosarum immer nur sine
Säle destillata verordnen. Schon an einem an-
dern Orte (ophtha Im. Bibl. E. |. St. 1.
Heft 2. S. I99) machte ich aufmerksam, dafs
man hier sehr mit Unrecht sich auf dieses ein-
zelne destillirte Wasser beschränkte , und in
vielen Fällen wird man statt seiner zweckmä-
ßiger Aqua Valerianae , Foeniculi , Menthae
Crispae, Menthae Pip., Chamomiljae, und selbst
Cinnamomi anwenden, nach densAen Grund-
sätzen , welche in der Wahl dieser Mittel über-
haupt leiten müssen.
72
tX. In malichen Fällen sind die Infu-
sionen zweckmäfsiger als die destillirten Was-
ser, auch übersehe man nicht den Vorzug, den
ein Infus, vinos. zuweilen vor dem aquosö
hat. Manchmal sind auch Decocte zu ma-
chen. Das leitende Princip müfs dabey seyn f
ob wir. blofs nur flüchtige , oder zugleich auch
fixere Bestandteile des Mittels vor uns haben
und benutzen wollen. Die meisten Augenärzte
bedienen sich bey der so grofsen Verschieden-
heit der Fälle zu sehr immer derselben Mittel,
und vernachlässigen höchst Wirksame; um tief
gelegene Theile , Eingeweide der Brust und des
Bauchs Zu afficiren , wählen sie oft unter einer
gröfsern Menge von Arzneykorpern , besonders
aus dem Pflanzenreiche , als hier, wo die Mit-
tel das Organ geradezu treffen , also ihre ge-
ringern Verschiedenheiten weit stärker schon
auffallen können.
X. Bey den Infusionen und Decöcten ist
besonders darauf zu sehen , dafs sie genau co-
lirt werden , zumal wenn sie auf den Augapfel
selbst gebracht werden sollen, damit dieser
nicht durch groben mechanischen Reiz leide.—
Enthält daÄVIittel in seiner Auflösung harzich-
te Theile, so hüte man sich, defshalb dem
Apotheker ein schlechtes Goliren vorzuwerfen ;
7r\
Ö
will man sie aber entfernt wissen , so- schreibe
lnan vor: cold po'st rejrigerationeni. — - Durchaus
unauflösliche Pulver beyzumengen, dieses ist,
so häufig es auch die Arzte mit den Flor. Zinci
so machen , gänzlich zu verwerfen.
XL Den Augenmitteln in wäfsrichter Form
mischt man häufig schleimichte Theile bey.
Wäre der Zweck, wie Manche glauben , die
Wirkung des Mittels lediglich zu mildern , so
könnte man hiezu einfacher und wohlfeiler ge*
langen » wenn man nämlich , statt einen ein-
hüllenden Körper hinzuzufügen, nur die Quan-
tität des einzuhüllenden verminderte. Der Zu-
satz des Schleimes ist aber oft nöthig , um das
Mittel in sich fester zu vereinigen und eben so
das Mittel mit dem Auge , auch um das Mit-
tel allmählicher einwirkend zu machen.
XII. Zu diesem Zwecke! werden benutzt
Rad. Althaeae (ungefähr 2 Drachmen auf 4 — 6
Unzen des Decoctes) , Radix und Flor. Malvae
(2 Drachmen auf 6 — 8 Unzen), Sem. Lini (2 Drach-
men auf 8 — IO Unzen), Sem. Cydon. (1 Skrupel
auf 8 — 10 Unzen). Soll das Mittel stark
schleimicht werden, so mufs man die Dosen
jener Substanzen, die hier mäfsig angesetzt
74
sind, verstärken. Nach einem van mir anac-
stellten vergleichenden Versuche nimmt das In-
fusodecoct dieser Mittel in den angegebnen
Dosen so zu : Althaea^ Ra d. M alv a e, Sem.
Lini, Sem. Cyclon. Die Althaea ist am wenig-
sten rein schleimicht , enthält zugleich ziemlich
viel Bitteres , der Quittenschleim hingegen ist
der reinste. Diese Substanzen läfst man gleich
mit abkochen oder infundiren ; wo kein Kochen
vorgenommen wird , ist es fast allgemein ange-
nommen, der schon bereiteten Flüssigkeit Quit-
tenschleim hinzuzusetzen ( ungefähr J Unze
auf 4 — 6 Unzen Wasser). Ich bediene mich
in diesem Falle statt des Quittenschleims des
ausgesuchten arabischen Gummis (unge-
fähr 15 bis 20 Gran auf jede Unze) , weil sich
der Ouittenschleim leicht in der Mitte des Gla-
ses zusammenballt * manche andre Substanzen,
z. B. des Bleyzuckers , mitnimmt, und alsdann
ein unkräftiges Wasser zum Gebrauche zuiück-
lälst. Auch jenes Gummi verhält sich zwar bey
genauerer Untersuchung nicht ganz indifferent
gegen metallische Salze , verändert die Mischung
i\oei sicher weit weniger als der Quittenschleim,
G ummi Tragacanthae erfodert zu mühsame
u nd langweilige Bereitung und wird die; am
Ouittenschleim getadelte Eigenschaft gleichfalls
75
haben. *)• Auch der Milch, der Frauenmilch,
Kuhmilch, bedient man sich in dieser Absicht
zuweilen ; doch wird sie leicht sauer, ihre
Consistenz ist sehr verschieden und mit man»
chen Mitteln verträgt sie sich nicht. L entin
empfahl, die Augenwasser mit Schnitten frischen
Kalbfleisches aufzulegen , wobey es auch wohl
auf das Einhüllende vorzüglich abgesehen seyrt
mochte; aber diese Substanz zersetzt vollends
manche Mischung, ihre Anschaffung ist Man-
chem lästig und diese Anwendungsart derselben
ekelhaft.
XIII. Die Art, wie diese flüssigen Au«
genmittfel applicirt werden, hängt zum Theil
von dem Orte ab, welchem sie applicirt wer-
den sollen (s. XXIV. u. d. f.). Hievon hängt
wiederum die auf Einmal zu verschreibende
Quantitas generalis zum Theil ab ; nur will
ich bey dieser Gelegenheit auf einen Fehler
aufmerksam machen , der sehr allgemein ist,
nämlich die Mittel in so grofser Quantität zu
verschreiben, dafs sie auf mehrere Wochen
hinreichen , wodurch dann begreiflich die Qua-
*) Die Ursache liegt vielleicht darin , dafs diese Mittel
nicht so rein gummös sind , sondern zugleich cölla ent-
halten.
76
lität derselben am Ende oft höchst verdorben,
ist. Der Scherwenzel ist , zu jedem Augen-
wasser , welches eingetropft werden soll , eine
Unze zu verschreiben; enthält es aber Substan-
zen , die verfliegen oder verderben, so schreibe
man nur eine solche Quantität auf, die i, 2,
3 Tage zureicht, zumal da die Kosten der Be-
reitung meistens sehr gering sind. Nachdem
das Augenwasser seltner oder öfter eingetröp-
felt werden soll , lasse man in solchen Fällen
nur x bis 2 Quenten auf Einmal verfertigen.
Für einige starke Substanzen, z. B. Sublimat,
gibt dieses zwar einen Bruch ; defshalb läfst
Mancher , um z. B. Einen Gran desselben ge-
hörig zu verdünnen , 6 Unzen Wasser zusetzen,
und um dieser willen wiederum für Tr. thebai-
ca oder andere Mittel den Kranken acht Mal so
viel bezahlen, als nöthig ist. Aber in nicht
müssigen Apotheken steht eine Sublimatsolution
schon bereit , deren Stärke man nur zu erfra-
gen oder zu bestimmen braucht, um durch An-
gabe der Tiopfenzahl das Mittel im kleinsten
Bruche anwenden , und , was oft sehr nöthig
ist, in den kleinsten Progressionen mit ihm
steigen zu können. Wollte man etwa die Un-
gleichheit der Tropfen an Gröfse nach der Hand
des Tropfenden und der Figur des Gefäfses
77
Wegegen geltend machen, so antworte ich hier*
auf, dafs es * in einer beschäftigten Apotli; ke
auch ohne Vorschrift und am Ende selbst wohl
gegen ausdrückliche Vorschrift so gemacht
werden wird ; da{s es hier also blofs gilt , Nu-
tzen von dieser Apothekersitte zu ziehen, die
schwer abzuändern seyn wurde und bey einiger
Vorsicht auch ganz zulässig ist.
XIV. Als Breyumschläge fodern
die meisten Substanzen einen bindenden Zusatz,
wozu alle oben (XII.) angegebne schleimiclite
Mittel, aufser ihnen aber auch die Semmel-
krume (mica panis albi) benutzt werden kann;
andre haben selbst des Schleimichten genug in
sich, und sehr oft bedarf es hiebey auch keines
andern bindenden Zusatzes , als — des Stück-
chen Linnens, worin man das Mittel, z. B. reine
Herb. Menthae, auffafst. Metallische Mittel, z. B.
Auflösungen von Bleywasser, wenn sie in
Breygestalt angewandt werden sollen, mischt
man am besten mit Semmelkrumen. Bey Pflan-
zensubstanzen achte man darauf, dafs sie nicht
durch grofse Stengel mechanisch verletzen ,
eben so aber auch nicht in zu sehr verkleinerten
Stücken das Linnen durchdringen. Auch packe
man nie eine durch Schwere belästigende Quan-
tität auf. Das Linnen sey fein, rein und un-
78
durchlöchert, und auf das Auge komme nur
eine einfache Lage desselben. Häufig kann
man sich einer bequemeren Form , als der der
eigentlichen Breyumschläge bedienen, dafs man
nämlich einige durchnähete Kräuterkissen ver-
fertigen, in Wasser infundiren oder einmal auf-
wallen läfst , und sie wechselweise wieder in
ihm erwärmt und etwas ausgepreist auflegt.
XV. In fettiger Gestalt allein, als Sal-
ben, dürfen diejenigen Substanzen angewandt
werden, welche nicht in Dunstgestalt wirken,
und selbst nicht in eine Wäfsrichte oder geistige
Auflösung gebracht werden können (X) ; aber
auch bey solchen Mitteln , die nicht .zu dieser
Form zwingen, wie z. B. Opium, Kampher
ist sie nicht selten den andern vorzuziehen , um
ihre Wirkung allmählicher und anhaltender ein-
dringend zu machen.
XVI. Die gebräuchlichsten Excipientia sind
frische ungesalzne Butter und Schwei-
neschmalz. Wo es unmittelbare Berührung
eines so zarten Theiles gilt , wie das Auge ,
mufs die Wahl bedächtiger seyn , als wenn
man etwa nur für ein altes Fufsgeschwür eine
Salbe componiren will. Die Butter wird leich-
ter ranzig als das Schweineschmalz , dagegen
ist das letztere, zumal im Sommer, hoch we-
I 79
niger consistent als die Butter, und läfst defs-
halb noch leichter schwere Substanzen , z. B.
Quecksilberpräcipitate niedersinken , so dafs ^er
obere Theil der Salbe zu schwach , der untere
zu stark wird , ohne einen Fehler des Apothe-
kers, *) und eben so läfst es noch leichter flüch-
tige Körper, z. B. den Kampher, entweichen.
Sollen viele feste Körper, z.B. Zinkblüthen, in
grofser Quantität beygemischt werden, so nimmt
diese wiederum das Schweineschmalz hesser
auf.
XVII. Aus dem Obigen (XVI.) erhellt,
dafs in vielen Fällen beyde vorige Substanzen
nicht die pafslichsten sind, indem es einer fe-
stern Consistenz bedarf. Diese gibt das wei-
f s e Wac h s , und eine Mischung von ihm mit
ausgepreistem Mandelöle ist vorzüglich.
Das Verhältnifs beyder zu einander mufs nach
der Quantität und Qualität der beizumischen-
den Arzneykörper bestimmt werden , auch neh-
me man dabey etwas Rücksicht auf die wär-
mere oder kältere Jahrszeit, und ob sich die»
Salbe lungere oder kürzer« Zeit ungeändert er-
*) Fehlerhaft ist es auch, wenn er zu dem zerlassenen
Fette die schwerern Substanzen bequem mischt. 1
8o
halten muis. Das mittlere Verhältnils ist i Theil
Wachs zu 2 Thcilcn Mandelöl.
XVIII. Die K akaobutter empfiehlt
sich zu diesem Gebrauche unter allen fetten
Ölen am meisten , und verdient in mehrerm Ge-
brauche zu seyn, da sie sich so sehr lange un-
verdorben erhält, zumal wenn sie durch Aus-
pressen und nicht durch Kochen bereitet ist. *)
Für sich ist sie zu hart , eine in den mittlem
Fällen taugliche Consistenz bekommt sie durch
den Zusatz von ungefähr der Hälfte oder et-
was mehr frischen Mandelöls, und diese Mi-
schung hält sich viele Monate unverdorben.
XIX. Wo man flüssige fette Öle in Sal-
bengestalt anwenden will , z. B. Ol. Hyosc. in-
fus. , gibt man ihnen durch den Zusatz von
Wachs oder Kakaobutter festere Consistenz.
Bey manchen Pflanzen mufs man , wenn man
sie als Salben anwenden will , diese^ infundirten
fetten Öle in Gebrauch ziehen , weil sich die
wäfsrichten Extracte, z. B. des Bilsenkrautes,
dem Fette nicht ordentlich beymischen lassen.
Lberhaupt möchte es aber wohl in manchen
Fällen nicht gleichgültig seyn , ob man ein thie-
*) Mönch untersuchte Kakaobutter, die 17 Jahr alt
v\ar 3 und fand sie noch unverändert.
8i
rische 5 Fett oder ein fettes Pflanzenöl
anwendet; mir selbst sind schon Fälle vorge-
kommen , wo das JVIandelöl vertragen wurde,
aber kein reinstes thierisches Fett; doch kann
ich Gewisses darüber noch nicht angeben.
XX. Um etwas salbenähnliches hervorzu-
bringen , bedient man sich auch wohl des AI*
humen und Vitellum ovi y doch belästigen diese
leicht , indem sie sich an den Augenwimpern
erhärten. In seltnen Fällen hat man sich auch
wohl des Honigs bedient, der aber am we-
nigsten ein reines, sich indifferent zum Orga-
nismus verhaltendes Excipiens abgibt und seht
leicht verdirbt.
XXI. Die Gedankenlosigkeit und Eilfertig-
# keit in der Apotheke macht es sehr oft rathsam,
ein misce exacthsime ausdrücklich vorzuschrei-
ben, zumal wo scharfe Substanzen, Quecksil-
berniederschlag, Spiefsglasbutter u. dergl. in der
Mischung sind. *) Auch mache man seinen
Apotheker darauf aufmerksam , seine Kruke erst
genau zu untersuchen, ehe er die Salbe hinein-
•) Dafs diese Fehler nicht im Korden allein grassiren,
sondern auch im Süden , erhellet aus Schmidts gleicher
Klage über die Wiener Apotheker. S. Ophthal m. Bibl.
B. 3. St. K. S. 57.
F
8*
thut, da sich sonst, wie ich schon mehrere
Male mit Verdrufs bemerkt habe , vom Boden
derselben abgesprungne Stückchen ihr beymi*
sehen und sehr nachtheilig für das Auge wir*
ken können. Kleine glattere Büchschen von
Serpentinsteiu, die doch nicht sehr kostbar
sind, könnten bey Bemittelten , zumal wenn sie
länger Salben gebrauchen , öfter dazu genommen
werden.
XXII. Die Ouantitas generalis jeder Augen-
salbe setzt der Schlendrian zu i Unze an , und
klagt dann wohl über das Ranzichtwerden der
Salbe, wenn sie in dieser Quantität mehrere
Monate vorhielt. Soll sie blofs auf die Augen-
liederränder, oder auf den Augapfel gebracht
werden , so verschreibe man nicht über i bis z
Drachmen auf Einmal und , soll sie in gröfserm •
Umfange aufgestrichen werden, nicht über 2
bis 4 Drachmen.
XXIII. Wenn man ja einmal in trockner
Pulvergestalt Mittel auf den Augapfel
bringen will , so mufs das Pulver wenigstens
das feinste Alcchol seyn. Wenn aber trockne
Pulver blofs ihrer sich verflüchtigenden Theile
wegen angewandt werden (VIII.) , alsdann ist
dieses nicht nöthig.
83
XXIV. Zuweilen mufs i) die ganze
Auge h gegen d im grofsern Um-
fange mit den Mitteln in Anspruch genom«
men werden , und hiezu g^ibt es verschiedene
Wege. Der gewöhnlichste wohl ist, dafs man
die Mittel in flüssiger Gestalt als Fomenta-
tionen mit ungefähr achtfachen Compressen r
mit noch genauer anschliefsenden Bauschen
Charpie, oder als Kataplasme auflegt«
Gewöhnlich lege ich dann noch ein Stück
Wachstaffent odec feine Wachsleinwand über,
um die weitere Verbreitung der Nässe zu ver-
hüten, und über dieses erst den befestigenden
Verband. Dabey ist Aufmerksamkeit nöthig,
dafs der Ueberschlag nicht trocken wird , wo-
durch er, statt nützlich zu seyn , leicht mecha-
nisch schaden könnte. Eben so, wenn die
Umschläge warm seyn sollen. Beydes macht in
der Regel nöthig, sie während der Nachtzeit
auszusetzen, so wie dieses auch zuweilen bey
Tage nöthig wird, um dem Auge das Licht
nicht ganz zu entziehen. Es mufs alsdann die
Gegend gut getrocknet , und wenn warme
Ueberschläge angewandt sind, ist es gut, das
Auge nicht gleich ganz frey zu lassen, sondern
auf einige Zeit durch einen trocknen Verband
es erst noch etwas wärmer zu halten. — Ist
F 2
84
viel Ausflufs aus dem Auge vorhanden, so mufs
oft reine Leinwand genommen werden/ Man-
che bedienen sich zum Bähen auch des Bade-
schwammes ; man rieche aber nur an den rein-
sten , ausgekochtesten Badeschwamm , und man
wiid finden , dafs er kein reines Excipiens
abgibt.
XXV. Ein mit grofsem Rechte sehr be-
rühmter Augenarzt will den Gebrauch der
Ueberschläge sehr eingeschränkt wissen , indem
er sie bey Augenentzündungen ganz verwirft»
Er erklärt sie „ohne Nutzen, weil das Au-
„genwasser nicht durch die Augenlieder auf den
„Augapfel wirken könne, er erklärt sie für
„schädlich, weil feuchte Compressen leicht
„kalt würden und kalte Nässe bey vielen Au-
„genentzündungen sehr schädlich - wirkt , und
„weil sie auch belästigten , wenn sie trocken
„würden : defshalb räth er , man solle statt
„ihrer immer Augenwasser eintröpfeln." Die-
sem widerspricht meine Erfahrung; denn ich
möchte fast sagen, ohne diese Mittel möchte
ich nicht Augenarzt seyn, und erinnre jeden vor-
urteilslosen Augenarzt nur an ihren grofsen
Nutzen bey der Ophthalmia Neonatorum und bey
der Iritis mit Secretion von Eiter in die Augen-
kammern. Erfahrung gegen Erfahrung ab«
85
zuwiegen* ist schwer , weil oft das Subjectlve
bey derselbenTk) schwer zu bestimmen ist, im
Ganzen möchte man sich aber caeteris paribus
doch wohl zu dem wenden müssen, der eine
Methode vertheidigt , indem dieser sie Öfter er-
probt haben wird, als derjenige, welcher sie
bald verwarf. Wird aber der Procefs mit Ver-
nunftgründen geführt, so kann schon Jeder
besser mit urtheilen (praemissu praemittendis , d,
hi dafs er Vernunft hat), wefswegen die Routi-
niers auch ihre Streitsachen so gern von diesem
Foro wegschieben wollen, indem sie es dadurch
verdächtig zu machen suchen, dafs sie Vernunft
Hypothese , Theorie f Speculation schimpfen«
Im vorliegendem Falle kann ich nun aber auch
die Vernunftgründe nicht beweisend finden.
Legen wir bey Entzündungen der Lungen , der
Gedärme und andrer ähnlich tief liegender Theile
mit Erwartung von Nutzen äufserlich Umschläge
auf Brust, Bauch u. s. w. , so werden wir sie
i
doch mit noch mehr Erwartung bey Entzün-
dung der Augen auf die , zumal sich doch mei-
stens dann und wann etwas öffnenden , Augen-
lieder legen dürfen. Für einen grofsen Vor-
zug dieser Mittel halte ich es selbst in sehr
vielen Fällen, dafs sie den Augapfel nicht
geradezu berühren, und mufs in ihnen ernstlich
86
warnen, den sehr empfindlichen Theil ja nicht
durch die angerathene Methode, Augenwasser
auf ihn zu tröpfeln, geradezu anzugreifen.
Ueherhaupt wünsche ich , dafs man mehr daran
denken möge, durch nähere oder entferntere
Application der Reizmittel den Grad ihrer Wir-
kung dem des Krankheitszustandes anpafslich zu
machen, da man alsdann z. B # von einem Bla-
senpflaster , wenn es auf den Nacken oder
selbst an eine Extremität gelegt ist , manchmal
bey einer Augenentzündung Nutzen sehen wird,
wobey es , hinter das Ohr der leidenden Seite
gelegt, selbst nachtheilig wirkte. Gegen die
andren vom Erkalten und Ertrocknen der Com-
pressen hergenommenen Einwürfe erwidre ich
blofs, mau lasse sie nicht kalt werden, man
lasse sie nicht trocken werden , und nur wo
gar keine Aufsicht möglich ist , lasse man sich
dadurch zurückhalten.
XX>VI. Wenn derselbe Schriftsteller angibt,
es gebe Fälle, wo das entzündete Auge durch-
aus keine Nässe vertrüge, und diese als gichti-
sche und rheumntische näher bezeichnet , so fand
er schon bey Arnemann (Krankheiten der
Augen p. 12.) Widerspruch. „Ich habe oft ge-
bunden , sagt dieser , dafs diefes auf ein (em)
„blofses (n) Vorurtheil (e) beruht: es kömmt
87
„nui darauf an , was man für ein Mittel ver-
ordnet und wie man es anwendet. Ich habe
,,sehr oft bey gichtischen Augenentzündungen,
j,wo die Kranken gegen feuchte .Augenmitte],
„deren Nachtheil sie aus eigner Erfahrung oft
„ kennen gelernt hatten, protestiicen , mit dem
„besten Succefs verdünntes Laudanum liquidum
,,u. m. anwenden lassen. 11 — Auch ich -kenne
solche Fälle, glaube aber dennoch, dafs dieser
Widerspruch zu allgemein geschehen ist,
selbst wenn man in solchen Fällen , das Nasse
zugleich sehr sorgfältig warmhält, glaube, dafs
in ihnen die Mittel in trockner Form wenig-
stens besser bekommen , dafs aufser der Erkäl-
tung durch Verdunsten die nassen Mittel noch
andre besondre Wirkung haben müssen , und
dafs dieses vielleicht die verstärkte Elektrizitäts- ~
leitung ist. — Beer (Lehr, der Augen-
krankheiten Th, I. S. 257.) gibt noch meh-
rere Fälle an, wo die nassen Mittel nicht pas-
sen sollen , indem er den gichtischen und rheu-
matischen noch die rosenartigen , variolosen,
ikrophulosen und venerischen hinzufügt. Sym-
ptomatisch noch bestimmter gibt er an , dafs
diese Mittel niemals passen, „wenn die Au-
„genUeder. mit einer rosenartigen Geschwulst
„behaftet, wenn ein heftiger Ausflufs scharfer
88
„Thränen , ein brennender Schmerz zugegen ist,
„wenn die Augenlieder öfters zusammenkleben/
„und immer eine eiterartige Materie an ihren Rän-
„dern sich zeigt. u Bey jedem dieser Symptome
habe ich in bestimmten Fällen mit grofsem Nu-
tzen .diese Mittel angewandt, mit mir haben
es auch Andre gethan , und ich zweifle sehr,
dafs auch jetzt noch Herr Beer selbst die An*
Wendung dieser Mittel in seiner Praxis so sehr
einschränken wird. — Bey den meisten Augen-
entzündungen kann man aber annehmen , dafs
das mehrere Tage lang ununter brochne
Auflegen nasser Mittel zuletzt nachtheilig
wirkt.
XXVII. Sollen wäfsrichte oder spirituöse
Mittel weniger anhaltend auf diese Gegend wir-
ken , so geschieht es durch öfteres oder seltne-
res Waschen derselben, wonach aber immer
der Theil sorgfältig , jedoch meistens ohne Rei-
hung , abgetrocknet werden mufs , wenn man
nicht etwa eine bedeutende Abkühlung beab-
sichtigen sollte.
XXVIII. Sollen diese Mittel mit mehr me-
chanischer Gewalt einwirken , oder in einem
schnellern Wechsel mit immer neuen- Portionen,
besonders wo stärkere Abkältung entstehen soll,
89
oder um anhaltend die Theile gleichsam zu
überraschen, so dient hiezu das Öftere einfache
Gegensprengen oder Begiefsen und voll-
kommner das Douche oder Spritzbad.
Beer gab hiezu (Arnemanns Magaz. für
die Wundarzneykunst B. 2. St. 1. Tab.
3 und Beers Pflege der Augen. Fig. I
und 2.) die Beschreibung und Abbildung einer
von S all ab a ihm mitgetheilten, zur Verstärkung
der Kälte für nöthige Fälle von ihm noch mit
feinem Eisbehälter versehenen , Maschine, welche
sehr wirksam ist. *)
XXIX. Durch andre Augenbäder wirkt man
auf diese Fläche in etwas kleinerem Umfange.
Sehr gebräuchlich sind hiezu die kleinen Au-
genwannen, wie man sie fast in jedem La-
den von Zinnwaaren , Fajance oder Porzellain
findet. Wo man aber nicht eine warme oder
immer mehr durch die Temperatur des Auges zu
erwärmende Flüssigkeit anwenden will, taugen
diese viel zu kleinen , nachdem das Auge hin-
eingedrückt ist kaum noch eine Drachme ent-
*) Ebendefshalb daTf man ihien Gebrauch aber nicht so
allgemein, fast als ein diätetisches Mittel, dem Layen em-
pfehlen , wie in der letztern Schrift von Beer gesehen
hen ist.
haltenden Gefäfse gar nichts, ganz ohne Zweck
ist ihr Boden concav, und hat man sie sich
nicht tiefer und überhaupt geräumiger verferti-
gen lassen, so wird man sich schon eines, ver-
steht sich reinen , Salzfasses dazu zweckmässi-
ger bedienen. Aber die ganze ovale Form ist
dabey überhaupt nicht so nöthig, sobald das
Gefäfs hinlänglich grofs ist , defshalb ist dazu,
zumal wenn man , damit nur kalt baden will,
jedes grofse Glas , ein gerades Quartglas , sehr
brauchbar, welches man in ein Becken stell*
und immer voller wieder füllt. Wo man das
Gefäis aber nicht so bequem mit der Hand zu
dem Auge erheben kann, stelle man es hin-
länglich hoch, um nicht durch Niederbücken
die Congestion des Blutes in den Kopf zu ver-
gröfsern.
XXX. Tincturen, Balsame, Oele
können in die ganze Gegend eingerieben wer-
den , und haben sie flüchtige Bestandtheile , so
werden sie selbst die Oberfläche des Augapfels
berühren. Im letztern Falle, z. B. wenn man Ol.
Cajeput einreiben läfst , ist es meistens zweck-
mifii*, den Kranken hievon zuvor zu benach-
richtigen, da er sonst leicht das vorübergehende
Gefühl , als sey ihm Sand in das Auge gewor-
fen , für etwas nachtheiliges halten und das
91
Mittel zurücksetzen kann. — Bey allen diesen
Mitteln vergesse man nicht die gröfsere Recep-
tivität dieser Gegend , wegen welcher scharfe
Mittel leicht rosenartige Entzündung und Auf>
atzung erregen ; z. B. so wie für derbere Theile
man sicher das Ol. Anthos seiner Wohlfeilheik
wegen bey Armen dem Ol.« Cajeput substituiren
kann , so widerrathe ich aus Erfahrung dieses
zu diesem Gebrauche.
XXXI. Wo die Gegend mit Pflaster ge-
deckt werden soll , sieht man auch die weitere
Wirkung oft, z. B. bey einem gut zubereiteten Bil-
senkrautpflaster, welches die Pupille zu erwei-
tern vermag. Bey den Pflastern achte man au-
fser der übrigen Schärfe auch auf die grofse
Neigung mancher Haut, unter jedem Fette frie-
selartig zu werden. — Soll, es in grofsem Um-
fange decken, so legt man es in der Form ei-
ner Viertelsmaske auf, mit freyen Augenlie-
dern.
XXXII. Wo trockne Substanzen an-
gewendet werden sollen, als Kräuterkissen,
achte man darauf, dafs sie nicht mechanisch
schädlich wirken (XIV.), auch bey ihnen be-
sonders, dafs sie nicht durch Beschrautzung mit
Schleim , scharfen Thränen etc. , chemisch schäd-
lich werden. — Für sehr viele Fälle , z. B.
gichtische Augenentzündungen , empfehle ich
besonders das Bedecken "der ganzen Gegend mit
feinem Wachsleinen, welches aber öfter ge-
reinigt oder umgewechselt werden mufs , da sich
unter ihm bald verstärkte , oft sehr profuse Se-
cretionen von Schweifs oder auch von Schleim
zeigen. "*) Auch bey diesen Mitteln mufs mei-
stens von Zeit zu Zeit mehr Licht und Luft
zu dem Auge gelassen werden.
XXXIII. Die Anwendungsart der Dampfe
und Gasarten wurde schon oben (VH.) an-
gegeben. Die Elektrizität wendet man wie
bey andern Theilen an, als elektrisches Bad, u.
s. w r ., und bedient sich dabey meistens am befs-
ten eines durch eine gläserne Handhabe isolir-
ten , im Winkel durch Umbeugung eine Nause
für die Leitungskette bildenden und mit einer
Birne von Holz oder Metall an seiner Spitze
versehenen Drathes, Die hölzerne wirkt äu-
fserst gelinde. Der Kranke kann sich hiemit
leicht selbst behandeln oder kann diese Maschine
auch auf einem Stative vor sich hinstellen. —
*) Auch bey den Entzündungen nach Staaroperationen
arthritischer Menschen zeigte sich mir diefs Mittel so wirk-
sam, dafs ich Ein Auge fast durch diefs Mittel allein geret-
tet zu haben glaube.
93
Auch für die Elektrizität ist diese Gegend em*
piindlicher, wie die meisten andern. — Hat
der Kranke die Elektrisinnaschine nicht in sei*
Her eigenen Wohnung, so lasse man ihn, da
die Theile noch erhitzt sind , nicht sogleich in
die freye Luft.
XXXIV. Um den Galvanismus bequem
anzuwenden, hat man eine Bandage erfunden,
welche auf jedem Auge ein flaches metallenes
Schälchen befestigt, in dessen Nause ein leiten-
der Drath des einen Poles "befestigt wird, dafs
also der Eine Pol auf dem Einen und der Ent-
gegengesetzte auf dem Andern Auge angebracht
ist. Auch ohne Maschine hat man häufig die
entgegengesetzten Pole auf den beiden Augen
angebracht, so wie gegen Gehörkrankheiten au
den beiden Ohren. Da nun aber die beiden
Pole einander entgegengesetzter sind , als in der
Regel das Leiden der beiden gleichen Organe,,
so kann man sich nicht wundern, wenn bey
solcher fortgesetzter Behandlung zuweilen das
Eine Auge oder Ohr eben so viel an Gesund*
heit einbüfst, wie das andre gewinnt. Wo
man ernstlich Galvanismus anwenden will , suche
man auf, welcher Pol dem Krankheitszustande
anpafst, welches aus den allgemeinen Sätzen
der allgemeinen Nosologie und Therapie und
F
94
aus richtiger Kenntnifs des Galvanismus nach
«einen zwey Richtungen folgt; den andern Pol
bringe man ganz entfernt an , z. B. an der in
ein Gefafs mit Wasser getauchten Hand. —
Auf dem Auge selbst wird man den Pol selten,
anbringen dürfen , in der benachbarten Gegend
ist wohl die des Nervus supraorbitalis vorzüglich,
und sehr wird man die Wirksamkeit des Mittels
verstarken, wenn man diese Stelle zuvor durch
Kanthariden oder ähnliche Mittel etwas wund
gemacht hat. — Zu leichtern Spielen kann man
zwey Platten der entgegengesetzten Metalle»
z. B. Zink und Silber, je eine an jeder Seite,
zwischen innerer Fläche der Wange und obrer
Kinnlade anbringen und mit einander vereini«
gen. *)
XXXV. In frühern Zeiten hat man den
Magnet angewandt, doch immer nur ► einzeln.
Auch vom thierischen Magnet i.sraus hat
jnan gegen Augenübel fast noch keinen Ge-
brauch , so viel ich weifs , gemacht. In einigen
Fällen von heftigem Augenkrampf e sah ich Wir*
*) Über die medizinische Anwendung des Galvanismm
lieferten bekanntlich Schriften G rap en giefser , A u •
gustin, Mar t ans, Walth er und A.
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kungen von sanfter Manipulation , die ich nicht
füglich der blbfsen Friction zuschreiben kann. *)
XXXVr. Einen h ö hern oder niedrigem
Grad von Temperatur bewirkt man durch
nasse und. trockne Umschlüge, durch Bäder und.
andre schon oben angeführte Mittel. Eey dem
Einreiben schnell verdunstender Flüssigkeiten,
wie zumal der Schwefelnaphthe, übersehe man
ja nicht diesen Verdunstungs - und Abkühlungs-
Procefs. Um Warme zu halten, mache ich
hier wiederholt auf den Gebrauch des Wachs-
taffents und der feinen Wachsleinewand auf-
merksam , weil man dieses Mittel bisher bey
Augenkrankheiten fast ganz vernachlässigt hat. —
Der flornen Schleyer sollten sich auch, in
verkürzter Form wenigstens, Männer öfter be-
dienen, zumal auf Reisen. Sie haben das Gute,
•) Ueber die Anwendung des Magnets gegen Augenkrank-
heiten lieferte z. B. Christoph Weber (Physikus zu Walls-
rode) einige, freylich nicht reine Beobachtungen, die ec
der göttingischen königl. Societüt der Wissen-
schaften vorlegte (s. gö tting.g el, Anz eig. 1766. St. 1^3.) und
nachher mit mehrem Fällen bewährt in einer kleinen Schrift
mittheilte (DieWirkung des künstl. Magnets in
einen (m) seltenen Augen fehler etc. Hanno-
ver 1767.) — Ueber den Einßufs des thicrischen Magnetis-
mus auf den Gesichtssinn wird das folgende Stück der
o p h th. B i b 1. einen Aufsatz liefern.
9 6
die Erkältung viel und doch das Licht wenig
abzuhalten; nur bediene man sich dazu keiner
aemuschten Flore , da diese leicht das Sehen
verwirren. — Männer, zumal Reiter, bedie-
nen sich zuweilen der sogenannten Windglä-
s e r. Diese hemmen freylich das Licht noch
weniger — anfangs , doch weit mehr , wenn
die Gläser von dem erkalteten Dunste beschla-
gen # Diesem läfst sich nur durch Öffnungen
zur Seite in der, meistens hörnernen, Fassung
der Gläser abhelfen , wodurch aber ein zwar
feiner , doch manchem Auge empfindlicher Zug-
wind veranlafst wird.
XXX VIL Zuweilen soll 2) besonders die
äufsere Gegend des Thränen-
s a cks von den Mitteln getroffen werden. Alle
jene oben genannten Mittel (XXIV — XXXVI.)
können alsdann angewandt werden , nur bedarf
es einer geringem Ausdehnung. Aulser kleinen
Breiumschlägen bedient man sich besonders der
Salben zu diesem Zwecke.
XXXVIII. Sollen 3) besonders die Au-
ge nli e der heilend afficirt werden , so
können die schon genannten Formen von Bä-
dern , Umschlägen, Einreibungen besonders auf
sie angewandt werden. — Müssen besonders
die Augenliedränder behandelt wer-
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den, so passet hiezu besonders die Form der
Auaensalben , welche sie allein am sichersten
treffen, wenn man sie zu solcher Zeit anbringt,
da das Auge langre Zeit geschlossen bleibt, wie
Abends beym Einschlafen , vor dem Mittags-
schläfchen, bey Kindern während ihres öftern
Schlafs , bey Erwachsenen während der Dämm-
rung etc. Abgewaschen wird die Salbe mei-
stens am besten mit lauer Milch. — Soll das
Mittel besonders die innre Platte des Au-
genliedes berühren, so tröpfelt man es ent-
weder in flüssiger Form ein, oder man bringt
es in Salbenform in kleiner Quantität mit einem
Pinsel oder anderm feinen Instrumente hinter
das untre Augenlied, läfst dann die Augenlie-
der schliefsen und den Augapfel nach allen Sei-
ten hinter ihnen bewegen, am besten in einer
Rückenlage.
XXXIX. Gegen denselben Schriftsteller,
gegen welchen ich oben die Umschläge in
Schutz nehmen mufste (XXV.), mufs ich hier
auch die Augensalben in Schutz nehmen. Er
verwirft sie nämlich bey Augenentzündungen
überhaupt : „weil sie an dem mit vielen Feuch-
tigkeiten benetzten Auge nicht haften, höch-
stens nur in den Haaren oder auf der äufsern
„Haut hängen bleiben und, zumal wenn sie
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„nicht frisch bereitet sind, Röthe , Jucken und
„Brennen erregen sollen. " Dafs allerdings die
Salben auf den Augapfel aitch wirken ^ sagt
sehr laut die Erfahrung , indem eine zu stark
gewählte Augensalbe oft das ganze Auge stär*
ker röthet. Die Bindehaut des Augapfels ist
Fortsetzung der Bedeckungen der Augenlieder,
zunächst ihrer innern Platte , und die Verände-
rung dieser theilt sich jener sehr leicht mit.
Ein Augenwaßser bleibt auch nicht lange auf
dem 'Augapfel, sondern wird durch Thränen-
feuchtigkeit bald sehr verdünnt und ausgeführt,
diese fettige Masse kann sich gegentheils län-
ger dagegen erhalten. Erregen Salben Röthe,
Jucken, Brennen, wenn sie nicht frisch berei-
tet sind , so verhüte man nur die Anwendung
veralteter Salben, verordne! defshalb schon
(neben andren Gründen) keine Scherwenzel von
officinellen Salben , und schreibe nicht immer
I Unze Salbe auf Einmal auf, wie ich schon
oben (XXII.) erinnerte. Wenn wir aber den
Augenwassern schleimichte Dinge zusetzten, um
sie allmählicher eindringend zu machen, so errei-
chen wir diesen Zweck doch wohl noch mehr,
wenn wir die Mittel in ein fettiges Vehikel
aufnehmen. Auch ist dieses die einzige Form,
in welcher sich unauflösliche pulvrichte Sub-
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stanzen anwenden lassen, und mancher dersel-
ben, z.B. derZinkblüthen, der Quecksilbernieder-
schläge, möchten wir doch wohl nicht gern ent-
behren. — Diese Verteidigung möge auch
vorab geschehen seyn , wenn ich die Augensal-
ben allerdings mit unter denen Formen anfüh-
ren werde , unter welchen wir die Mittel auf
,die Fläche des Augapfels selbst bringen kön-
nen und oft mit Nutzen bringen, (XLIII.)
XL. 4) Auf die innre Fläche
der Thränenwege bringen wir der
Natur am gemaltesten die Mittel durch Einsau-
gung mittelst der Thränenpunkte , indem wir
xlem zurückgelehnten Kranken einige Tropfen
des Mittels in den innern Augenwinkel bringen
und daselbst möglichst aufhalten , während er
öfter die Augen öifnet und sanft schliefst. Sonst
spritzte man die Mittel immer mittelst An eil s
Spritze ein , wodurch aber die Thränenpunkte
mehr leiden. Auch jetzt gibt es aber Fälle,
wo man diese Methode jener sanftem , natürli-
chem vorziehen mufs , wenn nämlich in den
Thränensack weit stärkere Mittel gebracht wer?
den müssen, als der Augapfel fodeit und ver-
trägt, auch wenn eine gröfsre Quantität einge-
füllt werden mufs , um sie mit Kraft nach un-
ten zu drängen. Eine behutsame Hand macht
diese Methode auch ziemlich unschädlich. *)
Weit bedenklicher ist das Einbringen von F ä^-
den. — Ist der Thränensack krankhaft geöff-
net , so ist hiedurch ein neuer Weg da , die
•) In Berlin sah ich eine Dame, welcher wegen einer
sogenannten Thräneiifistel ihre Tochter täglich einige Male
seit schon länger als einem Jahre Einspritzungen durch den
untern Thränenpunkt mit so geschickter Hand gemacht hatte,
dafs derselbe kaum etwas weiter geworden war. Dafs diese
Theile überhaupt nicht so ear leicht zu ruiuiren sind, als
Viele glauben, zeigen die Franzosen, welche noch jetzt fast
immeT Fäden durchziehen , wie man dieses z. B. noch jetzt
in Paris von T) üb oi r immer sehen kann.
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Mittel, auch selbst wohl in Salbengestalt ein-
zubringen. — Bliz arcl (Philosoph, tr ans-
ei ct. VoL 70O lieferte eine Röhre, durch
welche das Quecksilber ohne andern Druck, als
welchen seine eigne Schwere gibt, in die Thrä-
nenwege dringen soll. — Einspritzungen von
der Nase ab sind sehr schwierig.
XLI. Wenn 5) auf die Oberflä-
che des Augapfels selbst die Mittel
angewandt werden sollen, so bedarf es nach
richtigem Ermessen, ob dieses überhaupt gut
und sicher sey* besonders genauer Wahl in
Qualität , Quantität und Mischung der Mittel,
so wie auch in Bestimmung , wie oft sie ange-
wandt werden sollen.
XLTI. Bedient man sich dazu der Au cren-
wasser, so vergesse man nicht, auch auf
ihre Temperatur zu achten, ferner darauf, dals
das Gläschen erst umgerüttelt wird, wenn es
Substanzen von verschiedener Schwere enthält. —
Über die Quantität , wie viel man jedesmal ein-
flössen soll , ist zuweilen der Kranke ungewifs,
doch gibt dieses Mafs schon die bestimmte Ca-
pacität des Raumes ; was über ein Paar Trop-
fen ist, das fliefst ab; aber lieber flöfse man
nicht so viel ein, dafs es abfliefsen mufs, und es
wird sich alsdann eine grölsre Quantität am
Auge erhalten. — Die Applicationsart ist ganz
einfach" aus dem Glase mit vorgehaltenem Fin-
ger, der nur ein Paar Tropfen herausläfst, wäh-
rend der Kopf des Kranken zurückgelegt und
allenfalls so gelehiii: ist, dafs der innere Augen-
winkel etwas tiefer, als der äufsere liegt, wo-
bey man auch unter dem innern Winkel allen-
falls noch mit dem Finger der andern Hand,
indem man zugleich das untre Augenlied hier
etwas herunterzieht , einen kleinen Damm vor-
setzen und dem Wasser weitere Leitung geben
101
kann. Noch einfacher , aber unsichrer ist , die
Augenlieders*palte und den innern Augenwinkel
mit dem reichlich benetzten Finger oft zu be-
tupfen und zu bestreichen , bis die Flüssigkeit
eindringt. , Künstlicher, aber sicherer ist es,
mit einer unten und oben aufgeschnittenen Fe-
derspule, indem man sie in das Wasser taucht,
dann sie oben mit dem Finger genau schliefst,
das Wasser heberförmig sicher an das Auge zu
tragen und es in dasselbe hineinzulassen , indem
man zur rechten Zeit den Finger von der obern
Öffnung abhebt. Sollte die Hand hiezu zu
ungeschickt oder das Glas zu unpassend seyn,
Wegen zu grofser Höhe etc. , so kann man auch
das Wasser mit einer schaufeiförmig zugeschnitt-
nen Federspule und selbst mit einem Theelöf-
fel einflöfsen. *) Bouttaz (obsetvations prati-
€jues sur diffcrentes maladies , ä Londres 1801«
tab. 3.) erfand eine eigne $pritze hiezu , sehi
entbehrlich.
XLIII. Sollen Augensalben (vergl.
XXXIX.) besonders den Augapfel berühren,
so streicht man sie mit einem Pinsel auf, oder
bringt mit irgend einem Instrumente einen Theil
derselben hinter das abgebogene untre Augen-
lied ; hinterher kann man allenfalls die Augen-
lieder auf dem Augapfel sanft umherreiben
lassen.
XL/TV. Augenpulver, z. B. das famo-
se Baldingersche , soll man in eine Federspule
geladen hineinblasen, ein Act , welchen ein,
ängstlicher Kranker kaum mit offnen Augen ab-
warten wird. Mit einem wenig angefeuchte-
ten Pinsel kann man sie aufdrücken , wenn
*) Diese Methode lernte ich von einem jungen Frauen-
zimmer, welches sich hey einer sehr schweren Augenkranh-
heit auf diese An äulsfcrst geschickt selbst zu besorgen ver-
stand.
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man überhaupt sie besonders indicirt finden
sollte,
XLV. Bey der Application der Elektri-
zität auf den Augapfel selbst sind lange Au-
genwimpern , zumal wenn sie , bey fortgesetz-
ter Anwendung durch Thränen befeuchtet, stär-
ker leiten , sehr hinderlich, indem sie die Elek-
trizität vorzeitig einsaugen und eben so allmäh-
lich ausströmen. Parkinson (s. H ausm ann
Beschreibung ei n.e slnstrumenteszum
Elektrisiren der Augen in Samml. für
Wundärzte St. IV. mit Abbildung) compo-
nirte defshalb ein Instrument, wobey ein glä-
serner Kelch , welcher die kleine Birne um»
gibt, wie ein isolirender Augenspiegel die Au-
genliedcr zurückdrängt, doch begreiflich mit
zu heftiger Reizung des Auges. Eine rasche
und doch sichre Führung des einfachen Appa-
rates wird ein andres Instrument, als das ein-
fache, ziemlich entbehrlich machen. — Sollte
man nach heftiger Anwendung elektrischer Fun-
ken , sie seyen herausgezogen , oder hineinge-
schlagen, die Hornhaut etwas matt geworden
finden , so beunruhige man sich defshalb nicht
gerade , weil dieses bald vorübergeht. Doch
scheint es von fast zu heftig eindringender
Wirkung auf die die Hornhaut bedeckende Bin-
dehaut herzurühren.
XLVI. Das Element des Auges, das Licht
mit seinen Abstufungen von Hell und Dunkel
und seinen Differenzirungen, den Farben, die-
ses, weil es nicht der Apotheker gibt, hier zu
übergehen, wür<le sehr fehlerhaft seyn , so feh-
lerhaft es ist, dafs manche Arzte bey ihren
Augenkranken so wenig darauf achten. Auf
das Lichtnehmen achten sie noch mehr, das
Lichtgeben kennen die Wenigsten. Da ich
schon früher (Ophth al m ol o g. Beob. u,
io3
Untersuchung. St. 1. oder ophthalmol.
Bibl. B. i/St. i. Heft i. S. 32. u. f : Nu-
tzen des Lichtes beyAugertübeln) mein
Urtheil angegeben und Methoden, verstärktes
Licht anzuwenden, in gewissen Fällen heroisch
vvie die Gifte der Apotheke, angegeben habe,
so übergehe ich hier diesen Gegenstand und
rede blofs von Minderung des Lichtes.
XLVII. Minderung des Lichtes wird
häufig durch Verdunklung des ganzen Rau-
mes, worin der Kranke sich befindet, bewirkt.
Dieses hat zwey Inconvenienzen , nämlich dafs
man oft mit dem Lichte auch die frische Luft
abhält, und dafs jene Verdunklung doch selten
gleichmäfsig bewirkt werden kann, wonach die
einzelnen Spalten, z. B. an den Seiten der Vor-
hänge , nur noch blendender wirken. Diese
Methode allein wende ich delshalb nie an,
sondern nur zur Unterstützung der folgenden.
XLVIII. Man läfst das Licht 'freyer in das
Zimmer und beschattet nur die Augen. Durch
die gewöhnlichen Aufsetzeschirme von Perga-
ment, Pappe oder Papier geschieht dieses aber
wieder sehr schlecht, indem nur desto greller
von unten das Licht unter sie heraufstrahlt.
Die beste Verdeckung geschieht durch einen
hinlänglich herabhängenden Florstreifen, und
den Grad der Verdunklung bestimmt man da-
durch, dafs man ihn grün oder schwarz wählt,
einfach oder doppelt und wieder verdoppelt
vorhängt. Der Flor mufs einförmig , ohne Mu-
schen seyn. — \^as ich gegen die Aufsetze-
schirme auf den Kopf mit jedem Verständigen
sagte, gilt eben so von denen Schirmen, wel-
che man über die Lampen stülpt, besonders
wenn sie inwendig glänzendes Metall oder weifs
angestrichen sind.
XLIX. Noch beschränkter kann man das
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Laicht vom Auge abhalten durch farbige, näm-
lich grüne , oder auch wohl durch mattgeschliff-
ne Brillen, auch selbst die sogenannten Con-
servationsbrillen mögen als , oft wahrlich nichtr
sehr reines , Glas zuweilen auf ähnliche Art
nützen. Eey einer sehr verdunkelnden Brille
niuls aber auch der Raum ringsum , durch grü-
nen Taffeiit, oder besser Flor, verhüllt werden,
und alsdann sitzt die Maschine leicht zu warm und
der Wechsel mit hellerem Lichte durch Abnehmen
derselben macht die Menschen nicht blofs fast
glauben, sie seyen im Tartarus, (wegen des ro-
then Scheins als Gegensatzes des Grünen , s.
ophth. Bibl. B. i. St. 2. So I. u. d. f. über
die Polaritätder Farben.) sondern es blen-
det sie auch sehr nachtheilig. Defshalb sollte
man sich dieser Brillen wohl nur auf Schnee-
reisen bedienen.
L. Endlich gibt es noch einen nicht
ganz unbedeutenden Einflufs auf das Auge, den
wir selten werden leiten , aber nicht so ganz sel-
ten , wenn wir nur erst darauf merken wollen,
werden wahrnehmen können, dieses ist — die
Phantasie im Wachen und im Schlafe.